Leben im Camp mit Handicap

Das Leben im Flüchtlingslager Sobel ist ohnehin hart genug. Besonders hart trifft es zusätzlich Menschen, die mit einer Behinderung leben müssen – auch Kinder.

Das medizinische Team der Fondation Stamm sichert im Lager die medizinische Grundversorgung. Auch Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen suchen dort Hilfe. Um ihnen die notwendige, individuelle Hilfe zukommen zu lassen, sind jedoch weitergehende Untersuchungen notwendig – bis hin zur Herstellung angepasster Prothesen und Hilfsmittelt.

Kürzlich hat das Team neun Kinder vom Lager Sobel in eine spezialisierte Einrichtung in der Stadt Bujumbura verlegen können: das Internationale Orthopädische Zentrum, das orthopädische Geräte und Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen herstellen kann. „Menschen mit Behinderung benötigen nicht nur unsere Hilfe“, sagt ein Mitarbeiter des Zentrums bei Ankunft der Kinder, der ihnen sichtlich Mut macht. „Sie können selbst einen aktiven Beitrag zur weiteren Entwicklung des Landes beitragen und Berufe ausüben.“ Daraufhin begannen die Untersuchungen, Messungen und sogar schon die ersten Physiotherapien.

Bau der Grundschule in Gatumba

Der Bau der neuen Grundschule steht kurz vor dem Abschluss. Bauingenieur Egide Ndacayisaba verkündete kürzlich per Mail, dass die Fenster und Türen installiert worden sind. Die müssen jetzt noch bunt angestrichen werden.

Geplant ist, dass die neuen Grundschulgebäude zum kommenden Schuljahr 2022-2023 in Betrieb genommen werden. Die Klassen 1 bis 3 werden die neuen Zimmer beziehen. Derzeit findet der Unterricht noch in den provisorischen Holzgebäuden statt.

In einer zweiten Bauphase sollen dann weitere Klassenzimmer für die Klassen 4 bis 6 entstehen.

Direkt neben der Grundschule steht der Kindergarten der BURUNDI KIDS, den im Schuljahr 2021-2022 137 Mädchen und Jungen besuchten.

Beta Humanitarian Help: Chirurgie

Das burundische Gesundheitssystem hat sich seit Kriegsende stets weiterentwickelt. Viele Untersuchungen und Behandlungen sind zwischenzeitlich möglich, die vor wenigen Jahren noch undenkbar schienen. Gleichzeitig sind viele spezialisierte Behandlungen und Untersuchungen nur für diejenigen zugänglich, die das notwendige Geld dafür haben. Auch die grundlegende medizinische Grundversorgung ist nicht flächendeckend in Burundi sichergestellt. Noch immer sterben Menschen, weil keine Hilfe in erreichbarer Nähe war.

Das Centre Médical Hippocrate (CMH) ist ein Krankenhaus knapp außerhalb der Großstadt Bujumbura, direkt am Tanganyikasee und nahe der Grenze zum Nachbarland Demokratische Republik Kongo. Das Gemeinschaftsprojekt zwischen Fondation Stamm in Burundi, Burundikids e.V. und dem Hauptfinanzierer Stiftung burundikids Schweiz eröffnete 2010 und wurde seitdem um einige Angebote erweitert. In der Region gilt es als Referenz.

Gleichzeitig sind spezialisierte Behandlungen und vor allem Operationen im CMH nicht möglich. Patient*innen mit entsprechendem Bedarf werden an größere Kliniken in der Stadt überwiesen, sofern die Behandlungen dort möglich sind. Darüber hinaus bemüht sich das CMH um internationale Kooperationen mit Ärzteteams. Zum Beispiel mit den Chirurgen von Beta Humanitarian Help von der Beta Klinik in Bonn.

Im November 2019 waren der Chirurg Dr. Sattler und sein Team zum ersten Mal im Einsatz in Burundi, wo sie zusammen mit dem burundischen Krankenhauspersonal Patient*innen operieren konnten, die ansonsten in Burundi wahrscheinlich keine Hilfe bekommen hätten. Die meisten von ihnen hätten ohnehin nicht das Geld für die Behandlungen.

Die Zusammenarbeit lief so gut, dass das Team von Beta Humanitarian beschloss, wiederzukommen und eine regelmäßige Verbindung zum CMH aufzubauen. Dann kam Corona und machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Im April 2022, nach einiger Vorbereitungszeit und Besprechungen, war es dann wieder soweit: Dr. Sattler und sein Team kamen zum zweiten Einsatz ins CMH, wo sie in zwei Operationssälen zahlreichen jungen und älteren Patient*innen schwierige chirurgische Eingriffe ermöglichten. Im einen oder anderen Fall waren diese Eingriffe sogar lebensrettend.

Fotos: Beta Humanitarian Help

Stolz auf die Schüler*innen

Sie haben sicherlich keine leichte Aufgabe: Lehrer*innen. Noch größer als anderswo sind die Herausforderungen wahrscheinlich in Ländern wie Burundi. In den öffentlichen Schulen Burundis besuchen im Schnitt 80 Kinder eine Klasse. Bücher und oft auch Hefte sind Mangelware oder gar nicht vorhanden. Ebensowenig Schulbänke und alles andere, was man für einen guten Unterricht benötigt.

Das burundische Bildungswesen zu unterstützen ist ein Schwerpunkt von Burundikids e.V. Dabei verstehen wir diese Aufgabe in allen ihren Facetten. Kinder und Jugendliche sollen die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen, und haben das Recht auf eine gute Bildung und Ausbildung. Gleichzeitig sind dafür gut ausgebildete Lehrer*innen notwendig, die ihre Aufgabe ernst nehmen und nicht wenige Hürden in Kauf nehmen. Sie sind wichtige Faktoren für die künftigen Generationen Burundis.

Wenn an den von uns unterstützen Schulen die Abschluss- und Diplomfeiern stattfinden, zu denen sich die gesamte Schulgemeinschaft samt Eltern, Lehrer*innenkollegium und Behörden zusammenfindet, dann sind Ausbrüche ungebremster Freude, stolze Gesichter und so manche Freudenträne vorprogrammiert – und zwar von Schüler*in bis Direktor*in. Die Schulen haben einen guten Ruf, ihre Lehre ist streng und qualitativ gut, die Schulplätze begrenzt und stark begehrt. Wer dort lernen darf, zählt zur glücklicheren Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Burundi, die überhaupt eine Schule besuchen (und abschließen) können.

Unseren Lehrer*innen wird viel abverlangt. Sie sind die Garanten für eine gute Lehre, die Qualifizierung ihrer Schüler*innen. Dafür bekommen sie ein höheres Gehalt als an den meisten Schulen in Burundi üblich. Denn gute Arbeit muss gut bezahlt werden, finden wir. Gleichzeitig geht es dadurch den Familien der Lehrer*innen ebenfalls besser und deren Kinder können eine Schule besuchen, ohne sich Sorgen darum machen zu müssen, was abends zum Essen auf den Tisch kommt.

Das Foto entstand an der Schule Ecole Polyvalente Carolus Magnus (EPCM) bei der Diplomfeier im März 2022. Zu sehen sind eine Lehrerin (rechts), ein Lehrer und die Grundschuldirektorin der EPCM. Wenig später gab es Diplome für die Absolvent*innen. Lehrer*innen und Direktor*innen erhielten Geschenke von den Kindern und Jugendlichen. Als Dank für ihren ununterbrochenen Einsatz.

Hilfsgüter für Flüchtlingskinder in Sobel

Seitdem die Opfer der Fluten in der Region Gatumba – am Tanganyikasee, nordwestlich der Stadt Bujumbura und nahe der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo – im Lager Sobel untergebracht wurden, helfen Burundikids e.V. und der lokale Partner, Fondation Stamm, den Betroffenen kontinuierlich. Derzeit leben dort rund 6.500 Personen, darunter auch Menschen mit Behinderungen.

An erster Stelle steht im Lager die medizinische Versorgung der Familien. Das mobile Ärzteteam der Fondation Stamm sichert dabei die einzige Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeit im Lager. Darüber hinaus unterstützen die Kolleg*innen die Familien – allen voran die Kinder im Lager sowie alleinerziehende Mütter, alte Menschen und Menschen mit Behinderung – mit neuer Kleidung, Schulmaterial und dringend benötigten Lebensmittelhilfen. Für Mädchen und Frauen gibt es außerdem Unterstützung in Form von wiederverwendbaren Damenbinden. Bei jeder Verteilung von Hilfsgütern arbeiten die Mitarbeiter*innen der Fondation Stamm eng mit der Lagerverwaltung zusammen. So stellen sie sicher, dass eine größtmögliche Zielgruppe auf faire Weise erreicht wird.

Die meisten der Familien können nicht in ihre Häuser zurückkehren, weil ihre Grundstücke und Häuser immer noch unter Wasser stehen. Zwar gibt es seitens der burundischen Regierung bereits Pläne, die Familien umzusiedeln und ihnen Land zur Verfügung zu stellen. Wann und ob diese Pläne umgesetzt werden können, ist jedoch nicht bekannt.

Neuanfang mit Schulbesuch

Noch in ihrer Schulzeit wurde Arielle N. schwanger – sie musste deshalb die Schule unterbrechen, so will es das burundische Gesetz. Ihre Familie hatte die ungewollte Schwangerschaft als Schande empfunden und das Mädchen verstoßen. Sie suchte in der Stadt Bujumbura ihr Glück und verbrachte dort Zeit auf der Straße. Beamte in einem Stadtviertel nahmen sich ihr an und vermittelten sie ans Mutter-Kind-Heim Centre Nyubahiriza, wo sie Unterschlupf erhalten konnte.

Die Mitarbeiterin des Heims, Psychologin Joelle Vyukusenge, bereitete zusammen mit Arielle ihre Reintegration vor. Arielle ist erst 17 Jahre alt – die hat demnach noch gute Chancen, die Schule wieder aufzunehmen und einen Abschluss zu absolvieren.

Als die Psychologin und Arielle an deren Elternhaus im ländlichen Umfeld von Bujumbura ankamen, wurden sie freundlich von den Eltern empfangen. Die Mutter arbeitet als Lehrerin, der Vater als Agronom. Sie zeigten sich versöhnlich und waren bereit, ihre Tochter wieder bei sich aufzunehmen – und sicherzustellen, dass sie die Schule wieder besuche.