Mit einem „Herz für Kinder“

Nach wie vor leben 6.500 Menschen im Lager Sobel, weil sie aufgrund der Überschwemmungen der vergangenen Jahre nicht mehr zurückkehren können. Der Großteil von ihnen sind Kinder. Und denen kommen wir mit Unterstützung von Ein Herz für Kinder und den tatkräftigen Kolleg*innen der Fondation Stamm zu Hilfe.

In regelmäßigen Abständen verteilen die Mitarbeiter*innen Lebensmittelrationen (v.a. Grundnahrungsmittel Mais, Reise, Bohnen) und Güter des täglichen Bedarfs, zum Beispiel Matratzen, Decken und Kleidung, oder Schulmaterial. Auch Hygieneartikel werden ausgegeben, zum Beispiel Seifen oder Binden für Mädchen.

 

Erfolgreich mit Stipendium

EPCM Labor-Leiter Emmanuel Ndayikengurukiye mit einer PTA-Absolventin am Praktikumsplatz

Seit einigen Jahren kooperiert Burundikids e.V. mit Apotheker ohne Grenzen e.V. (AoG) zugunsten der Schule Ecole Polyvalente Carolus Magnus (EPCM). Bis heute ist die EPCM die einzige Schule in ganz Burundi, die PTA (pharmazeutisch-technische Assistent*innen) ausbildet.

AoG unterstützt die Schule u.a. mit der Beschaffung wichtiger Reagenzien für das Schullabor. Im Februar waren Vertreter*innen von AoG erneut bei den PTAs in Burundi, um zusammen mit den EPCM-Lehrer*innen einen Workshop zu geben.

Außerdem finanzieren die Apotheker*innen pro Schuljahr fünf Stipendien. Im vergangenen Schuljahr waren es zwei Mädchen und drei Jungen. Alle haben das Schuljahr gut bestanden: drei lernen im kommenden Jahr an der EPCM weiter, zwei konnten ihren Abschluss absolvieren. Unter den Absolvent*innen ist auch ein Junge, der im Kinderheim unweit der Schule großgeworden ist.

Zeugnisse an der EPCM

Bevor es in die großen Ferien ging, gab es an der Schule Ecole Polyvalente Carolus Magnus (EPCM) Zeugnisse – und zwar an beiden Standorten: In Kajaga, ca. 15 Kilometer außerhalb der Stadt Bujumbura, direkt am Tanganyikasee, und in Gatumba, noch ein paar Kilometer weiter in Richtung Landesgrenze zum Nachbarstaat Kongo. In Gatumba lernen 180 Kinder im Kindergarten und in den ersten Grundschulklassen. In Kajaga beginnt die Schule mit der Grundschule und geht bis zum Abitur bzw. Fachabitur. Dort gehen über 900 Mädchen und Jungen zur Schule.

Victoire Irambona, Direktorin am Standort Gatumba, und ihr Kollegium waren am Tag der Zeugnisvergabe in heller Aufregung. Kurz vor der offiziellen Feier mussten sie noch ein paar aufgeschürfte Knie versorgen, ausreichend Stühle für die Eltern besorgen, die zur Zeremonie gekommen waren, mit den Kids die einstudierten Nummern wiederholen und ohnehin die gesamte Bande im Zaum halten. Für die Feier hatten sich alle schick gemacht. Stolz waren nicht nur die Kids, das Schuljahr gemeistert zu haben – auch den Eltern war es ins Gesicht geschrieben. Highlight waren dann die Tänze, Lieder und Präsentationen auf Französisch und sogar Englisch – die Kids konnten zum Besten geben, was sie über das Schuljahr gelernt hatten. Danach ging es jeweils zurück ins Klassenzimmer, wo es Süßigkeiten und die Zeugnisse gab.

Am Standort Kajaga ging es schon etwas offizieller zu. Auch hier kamen Eltern und Verwandte, um der Jahresabschlussfeier beizuwohnen. Der Einladung gefolgt waren auch Vertreter*innen von lokalen Unternehmen und Organisationen, zum Beispiel der Geschäftsführer der Firma, die Schulkreide herstellt und damit die EPCM versorgt. Mit dabei waren auch Mitarbeitende einer Bank und Mikrofinanz, Unternehmensberatungen, einer Frauen- u. Mädchen Initiative u.a. Der Direktor der Unter-, Mittel- und Oberstufe, Néhémie Nduwimana, zeigte sich sichtlich zufrieden mit „seinen“ Schüler*innen, Kolleg*innen und der Veranstaltung, als er zusammen mit Verena Stamm, Leiterin der Fondation Stamm, die Zeugnisse überreichen durfte.

Schüler*innen hatten Sketche, Gedichte und Präsentationen vorbereitet – zu Themen, die sie das Schuljahr über beschäftigt haben oder aus den Schul-Clubs, zum Beispiel zum Thema Umwelt, Unternehmertum u.a. Zum Zeugnis dazu gab es für die jeweils ersten drei Bestplatzierten jeder Klasse Geschenke – zur Anerkennung und als Motivation. Bei den Geschenken beteiligten sich die anwesenden Firmen und Initiativen: zum Beispiel mit der Übernahme des Schulgeldes für ein oder mehrere Schuljahre oder mit der Finanzierung eines Start-Ups nach dem Schulabschluss.

Einzig die Schüler*innen der medizinisch-technischen Berufe an der EPCM müssen noch ein wenig auf ihre Zeugnisse warten. Dafür gibt es eine extra Veranstaltung.

 

Schuhmacherin

Evelyne kam 2019 ins Mutter-Kind-Heim, nachdem sie einen schwierigen Parcours hinter sich gebracht hatte. Ihr Vater hatte sie gedrängt, die Schule aufzugeben und stattdessen zu arbeiten. Sie war vom Heimatort im Nordwesten Burundis in die Stadt Bujumbura gekommen, um als Hausmädchen zu arbeiten. Sie wurde Opfer sexueller Gewalt durch den Nachbarn und schwanger, woraufhin sie ihren Job verlor. Im Heim Nyubahiriza gewann sie neue Lebensfreude und absolvierte eine Ausbildung zur Schuhmacherin.

Nach erfolgreicher Ausbildung war es an der Zeit, an ihre Zukunft zu denken. Die erst 18-jährige Evelyne hatte Heimweh. Und mit den neuen Kenntnissen im Schuhmacherhandwerk kann sie nun für sich selbst und ihr Kind sorgen. Joelle Vyukusenge, Psychologin und Sozialarbeiterin des Heims, begleitete Evelyne zurück in ihren Heimatort. Die Mutter und Evelynes jüngere Geschwister nahmen sie herzlich in Empfang. Sie selbst habe jetzt viel Motivation, zu arbeiten und Geld zu verdienen. Das notwendige Startkapital bekam sie mit.