Medizinische Versorgung im Centre Nyubahiriza

Im Centre Nyubahiriza, unserem Mutter-Kind-Heim in Bujumbura, gehört medizinische Versorgung fest ins Konzept der Einrichtung. Eine fest angestellte Krankenschwester ist die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Beschwerden, dokumentiert jeden Fall und organisiert bei Bedarf Überweisungen ans Krankenhaus Kajaga oder an Fachärzt*innen.

Ihre sorgfältigen Dokumentationen des Jahres 2025 zeigen, womit sie es am häufigsten zu tun hat: Fieber, Schnupfen und Atemwegsinfekte, Husten und Blähbauch. Letzterer ist in Burundi häufig ein Zeichen für Wurmbefall und wird entsprechend mit Entwurmungsmitteln behandelt, die zur medizinischen Grundversorgung von Kindern im Land gehören.Neugeborene, die im angeschlossenen Krankenhaus auf die Welt kommen, erhalten ihre ersten Impfungen. Mütter werden bei gynäkologischen Beschwerden begleitet.

Programm Mental Health

Ende 2025 startete im Mutter-Kind-Heim Nyubahiriza unser Mental Health Programm; das Programm zielt auf die Verbesserung von mentaler Gesundheit und Stärkung von Resilienz von jungen Müttern in Burundi. Dafür sollen nachhaltige Strukturen geschaffen werden.Ort der Umsetzung ist das Mutter-Kind-Heim Centre Nyubahiriza in Mutakura, Bujumbura. Hier leben Frauen, die oft aus gewaltvollen oder anderweitig schwierigen Lebenssituationen kommen und mit ihren Kindern im Heim aufgenommen wurden. Die jungen Frauen, die nicht selten selbst minderjährig sind, leiden oft unter Traumatisierungen, die unterschiedliche Ursachen und Auswirkungen haben. Das Mental Health Programm möchte an dieser Stelle einen Unterschied machen und durch spezialisierte psychologische Arbeit eine Verbesserung im Leben der Frauen und somit auch ihrer Kinder ermöglichen.

Die erste Phase des Programms ist bereits erfolgreich beendet worden:Zwei Psychologinnen des Heims wurden in den Themenfeldern „Bindung“ und „Kindesentwicklung“ geschult und „on the job“ supervisiert. Es wurden Protokolle zur Ergebnissicherung entwickelt und getestet und es wurden erste Strukturen implementiert.Es freut uns besonders, dass bereits erste Erfolge zu verzeichnen sind:Eine Frau litt unter Überforderung und emotionaler Überbelastung im Umgang mit ihrem Kind. Sie nahm an einigen Angeboten des Programms teil, wurde individuell betreut und zeigt nun eine deutliche Veränderung im Umgang mit ihrem Kind. Sie entwickelte Verständnis und emotionale Regulation und fühlt sich ruhiger und liebevoller sowie selbstbewusster im Umgang mit ihrem Kind. Auch zwei andere Frauen erlernten durch Schulungen und Gespräche ein neues Verständnis für die Entwicklungsstufen ihrer Kinder, konnten ihre Verhaltensmuster reflektieren und haben bereits begonnen, Muster zu verändern und sind engagiert in der Verbesserung der Mutter-Kind-Beziehung.

In der aktuell laufenden zweiten Phase geht es vor allem um traumasensible Fortbildungen, Notfallmanagement und auch eine Ausweitung auf lokale Kooperationen oder Bezugspersonen.

Feierlichkeiten zum Weltfrauentag im Aufnahmezentrum Nyubahiriza

Das Thema des Weltfrauentages am 8. März 2026 war: Rechte. Gerechtigkeit. Handeln.Auch im Mutter-Kind-Heim Nyubahiriza wurde der Weltfrauentag gebührend gefeiert: Die Bewohnerinnen hatten die Möglichkeit, sich bei schönem Wetter am Tanganijkasee zu entspannen. Für einige von ihnen war es das erste Mal dort und alle haben den Ausflug sehr genossen. Das Heimpersonal hatte Geschenke für die Frauen: einen Stoff (Kitenge), aus dem sie in der Schneiderei Atelier Umuderi w’i Burundi für sich selbst oder ihre Kinder etwas nähen lassen können. Der Tag wurde mit Spielen und Schaukeln verbracht und mit einem gemeinsamen Essen ausklingen gelassen. Dieser Tag bot den Frauen eine Auszeit vom Alltag. Zudem zeigt er, wie in Nyubahiriza das Thema des Weltfrauentages 2026 gelebt wird:Rechte: Im Heim werden die Frauen und Mütter dabei unterstützt, Selbstbewusstsein und Stärke zurückzugewinnen, um selbstständig für ihre Rechte einzustehen.Gerechtigkeit: Das Heimpersonal setzt sich dafür ein, dass die Kinder zum Beispiel Anerkennung durch ihre jeweiligen Väter erhalten.Handeln: Die Mitarbeiterinnen handeln jeden Tag. Eine Bewohnerin erzählt: „Seit meiner Ankunft wird mir und meinem Baby geholfen und ich werde unterstützt. An diesem Tag wird mir wieder bewusst, wie viel Glück ich habe, während andere, die das Gleiche durchgemacht haben wie ich, niemanden haben, an den sie sich wenden können.“Der Tag war reich an Freude, Austausch, Dankbarkeit und Emotionen, sowohl für die jungen Mütter und ihre Kinder als auch für die Mitarbeiterinnen.

 

Psychologische Begleitung

Viele der Frauen, die im Zentrum Nyubahiriza in Mutakura aufgenommen werden, mussten verschiedene Formen von Gewalt erleben – insbesondere sexuelle Gewalt, psychische Gewalt, Gewalt in Partnerschaften und sexuelle Ausbeutung. Diese Erfahrungen hinterlassen Spuren: Oft leiden sie deshalb unter Gefühlen der Ablehnung oder der Einsamkeit.

Um sie zu unterstützen, ihnen einen Umgang mit Angst und Unsicherheit zu ermöglichen und sich auch später in ihren familiären Kontext reintegrieren zu können, bekommen sie im Zentrum individuelle, psychologische Begleitung. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und das Selbstvertrauen der Frauen zu fördern. Es gab bereits bei einigen Bewohnerinnen große Fortschritte und Erfolge in Richtung einer Reintegration.

Neuanschaffungen im Centre Nyubahiriza in Mutakura

Matratzen, Betten, Computer, Vorhänge, Stühle, Schränke – während eines Besuchs im April konnten die (zuvor mitgebrachten) Neuanschaffungen in Aktion betrachtet werden!
Die Vorhänge wurden in der Schneiderei „Umuderi w’iBurundi“ angefertigt.
Die Kolleg*innen freuen sich sehr über die Computer, denn jetzt können sie arbeiten, ohne auf die Nutzung von Computern in Internetcafés zurückgreifen zu müssen, insbesondere um Berichte zu schreiben.
Der Besuch brachte auch die Gelegenheit, den jungen Müttern die Fotos zu zeigen, die sie mit den von Burundikids e.V. erhaltenen Einwegkameras gemacht hatten. Sie freuten sich, ihre eigenen Fotos und die Fotos ihrer Mitbewohnerinnen aus Nyubahiriza zu sehen.

Familie

Eine Geschichte, die nahegeht, hat sich im Mutter-Kind-Heim Centre Nyubahiriza ereignet.

Elodie, ein junge, alleinerziehende Mutter, hatte mit ihrem nur wenige Monate alten Baby Uriel im Frauenzentrum Zuflucht gefunden. Im Juni wurde Uriel krank und seine Mama Elodie brachte ihn ins Krankenhaus. Lange mussten sie dort bleiben und plötzlich wurde Elodie selbst krank und trotz aller medizinischer Hilfe verstarb sie noch im Krankenhaus. Baby Uriel kam als Waisenkind zurück ins Centre Nyubahiriza. Im Heim kümmerten sich fortan alle jungen Mütter um Uriel.

Die Mitarbeitenden des Zentrums setzten alle Hebel in Bewegung, um die Familie von Elodie und Uriel ausfindig zu machen. Als die von Uriel erfuhren, waren sie überrascht – von der Schwangerschaft Elodies hatten sie nie gewusst, bis zu ihrer Beerdigung. Sie nahmen den zwischenzeitlich einjährigen Uriel zu sich. Er wird bei seiner Großmutter und einem Onkel versorgt und groß werden.