Rekordandrang in der Gesundheitsstation Gateri

Der Monat Juli war am Standort Gateri durch einen großen Anstieg der Besucherzahlen in der Gesundheitsstation sowie durch eine Verschlechterung der Lebensbedingungen aufgrund extremer Hitze und wirtschaftlicher Not gekennzeichnet.631 Patienten nahmen die Station in Anspruch – die höchste Zahl seit der Einrichtung des Standorts. Dank einer verstärkten Versorgung mit Medikamenten konnten alle betreuten Patienten ohne Lieferengpässe behandelt werden.

Die Hitze im Juli verstärkte Gesundheitsrisiken wie akute Dehydrierung, Hitzeschläge, starke körperliche Erschöpfung oder die Verschlimmerung chronischer Atemwegserkrankungen. Zudem sind häufige Diagnosen Darmparasiten oder Malaria. Frauen leiden zusätzlich unter geschlechtsspezifischer Gewalt, im Juli wurden 16 Fälle bekannt. Die Betroffenen wurden vom Team entsprechend betreut und es wurden Präventionsmaßnahmen vorangetrieben.

Aktuelles aus der Nothilfe

In der DR Kongo und in Uganda sind neue Ebola-Ausbrüche aufgetreten. Die Epidemieherde liegen weniger als 400 Kilometer von Burundi entfernt und die Gesundheitsbehörden befürchten eine Einschleppung nach Burundi. Burundis Regierung hat daraufhin die höchste Alarmbereitschaft ausgerufen.Auch unser medizinisches Team in Gateri trifft Vorbereitungen: Die Kolleg*innen informieren die Bevölkerung vor Ort über Symptome wie Fieber, starke Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Erbrechen, Durchfall. Sie erklären auch, wie Übertragung funktioniert und wie man sich schützt. Besonders Hygienemaßnahmen werden gestärkt und bei der Bevölkerung betont. Eine Hotline zur Meldung von Verdachtsfällen ist bereits eingerichtet.

Im Mai haben unsere Kolleg*innen im Notlager Gateri täglich medizinische Sprechstunden durchgeführt und insgesamt 305 Menschen behandelt, 113 davon waren Kinder unter fünf Jahren. Die häufigsten Diagnosen: Malaria, Darmparasiten, Hautinfektionen, urogenitale Infektionen. Das sind Erkrankungen, die eng mit den Lebensbedingungen vor Ort zusammenhängen: unterbrochene Trinkwasserversorgung, marode Sanitäranlagen und Regenzeit.Neben der Behandlung von Krankheiten ist auch Prävention ein großes Anliegen der Arbeit vor Ort: Aufklärungskampagnen zu Hygiene, Ernährung und Durchfallerkrankungen, vor allem für Familien mit kleinen Kindern.

Geschlechtsspezifische Gewalt bleibt weiterhin ein Thema, das unsere Aufmerksamkeit fordert. Auch im Notlager in Gateri gibt es daher extra eine Anlaufstelle für Betroffene, bei der sie Schutz und Hilfe, sowie psychologische Betreuung finden können.Im Mai wurden 14 Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt bei unseren Kolleg*innen vor Ort bekannt. Die betroffenen Mädchen und Frauen leiden unter körperlicher Gewalt, sexuellen Übergriffen, psychischer Gewalt oder wirtschaftlicher Kontrolle (z.B. durch den Entzug von Lebensgrundlagen), die in den meisten Fällen von Familienmitgliedern oder Partnern ausgeübt wird. Das Team bietet neben der psychologischen Betreuung auch Mediationsbesuche und Sensibilisierungsmaßnahmen an. Auch die konkrete Einbindung von Männern, in Form von Gruppengesprächen zur Sensibilisierung zu geschlechtsspezifischer Gewalt, findet statt.

Wiederverwendbare Binden sind eine sinnvolle Lösung, besonders für Frauen und Mädchen deren Einkommenssituation instabil ist. Voraussetzung für die Nutzung ist natürlich: Sie müssen gewaschen und getrocknet werden können. Im Flüchtlinsglager Gateri war das im Mai kaum möglich. Die Regenzeit hielt länger an als geplant, die Regen waren stärker als sonst, Möglichkeiten zum vollständigen Trocknen der Binden fehlten. Dadurch stieg die Gefahr von Infektionen. Als direkte Reaktion auf den gestiegenen Bedarf haben unsere Kolleg*innen vor Ort weitere Binden verteilt. Gleichzeitig liefen Informationsveranstaltungen zu Intimhygiene und Wassernutzung, koordiniert mit dem zuständigen Gesundheitsbezirk.
Das Projekt wird Dank der Unterstützung von Apotheker ohne Grenzen und action medeor finanziert.

Im Juni 2026 verzeichnete unsere Gesundheitsstation in Gateri 340 Konsultationen und bleibt damit die einzige funktionierende Anlaufstelle für die Gesundheitsversorgung der lokalen Bevölkerung. Kinder unter 18 Jahren machten mit 123 Konsultationen gut ein Drittel aller Patient*innen aus (36,2 %). Für viele Familien in Gateri ist diese Station die einzige medizinische Versorgung, die erreichbar ist.
Im Juni waren auch die Temperaturen von über 30 °C schwierig für das Team und die Station selbst: Die Hitze im Container war nicht nur unangenehm für Personal und Patient*innen, sondern gefährdete auch die Lagerung temperaturempfindlicher Medikamente. Die Lösung kam durch ein neues isolierendes Strohdach über dem Container. Einfach, günstig und wirksam, die Innentemperatur sank spürbar, die Medikamente sind wieder sicher gelagert.

 

Die Situation in Gateri

Im Januar 2026 leben 8.042 Menschen im Camp Gateri, dem Notlager in Cibitoke, Bujumbura. Die meisten der Menschen, die hier unterkommen, wurden von Überschwemmungen aus ihrem Heimatort vertrieben. Besonders vulnerabel sind Kinder, Schwangere, ältere oder kranke Menschen, weshalb Burundikids e.V. gemeinsam mit Partnern vor Ort weiterhin den Zugang zu Gesundheitsversorgung und Nahrung im Camp stärkt.Im Januar wurden 315 medizinische Beratungen durchgeführt, weil viele Bewohner*innen mit Darmparasiten, Malaria oder Infektionen zu kämpfen haben. Zudem erhöht aktuell nasses Wetter besonders für Kinder und ältere Menschen das Risiko für Atemwegs- und Infektionskrankheiten.

Die Umwelt, unsicheres Wasser und die Vermehrung von Mücken erschweren die Behandlung von Krankheiten und Eingrenzung der Ausbreitung. Daher konzentrieren sich die Präventionsmaßnahmen in diesem Jahr auf die Förderung von Hygiene. Regelmäßige Gesundheitsaufklärungssitzungen werden ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsbezirk geplant, um das Bewusstsein für Risiken und Prävention zu stärken.

Essenziell finanziert wird das gemeinsame Projekt bislang von unseren langjährigen Partner*innen von Apotheker ohne Grenzen (AoG). Für dieses Jahr konnte eine weitere, starke Partnerin für die Medikamentenversorgung hinzugewonnen werden: action medeor, das erfahrene Medikamentenhilfswerk.

Bleibende und neue Herausforderungen für die Menschen in Gateri

Die guten Nachrichten aus Gateri sind: In der Gesundheitsstation im Lager konnten in einem Monat 293 Patient*innen behandelt werden. Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind positiv. Besonders hervorgehoben werden die medizinische Versorgung, die psychosoziale Begleitung sowie die hohe Verfügbarkeit des Teams. Gleichzeitig bleibt der Bedarf sehr hoch. Die Lebensbedingungen im Lager sind weiterhin sehr schwierig, die Zahl der Krankheitsfälle ist hoch und der Bedarf an psychologischer Unterstützung weiterhin groß.

Besorgniserregend ist die aktuelle Choleraepidemie in der Provinz Cibitoke mit fast 200 registrierten Fällen. Denn auch wenn es in Gateri bislang noch keine bestätigten Choleraerkrankungen gibt, erhöhen der Wassermangel, die unzureichenden sanitären Anlagen und die bevorstehende Regenzeit das Risiko dafür erheblich.

Neben diesen Entwicklungen gibt es noch eine weitere Herausforderung: 21 Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt, die Überlebenden sind Frauen, Kinder und Jugendliche. Unsichere Lichtverhältnisse im Lager erhöhen insbesondere für Frauen und Mädchen das Risiko weiterer Übergriffe. Die Überlebenden werden psychologisch vom Team vor Ort begleitet.Die Entwicklungen in Gateri zeigen deutlich: Unsere Langfristige Unterstützung bleibt notwendig.

Burundi in der Klimakrise

Seit Oktober 2023 erlebt Burundi eine beispiellose Klimakatastrophe. Das Wetterphänomen hat massive Auswirkungen auf das Land: Durch überdurchschnittlich starke Regenfälle kam es zu Überschwemmungen, Erdrutschen und der Zerstörung lebenswichtiger Infrastruktur. El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, das alle 2–7 Jahre auftritt. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im Pazifik ungewöhnlich stark, was weltweit das Wetter verändert. In Ostafrika führt El Niño typischerweise zu starken Regenfällen – mit teils katastrophalen Folgen: Ernten gehen verloren, Krankheiten breiten sich aus, Menschen werden vertrieben.

Burundi ist eines der Länder, das besonders hart getroffen wurde. Die Schäden sind gravierend:

·      40.000 Hektar Ackerland zerstört – das entspricht rund 10 % der nationalen Ernte·      Über 1.000 Familien wurden nach Gateri (Westen Burundis) umgesiedelt·      Häuser, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Märkte wurden zerstört·      Zugang zu sauberem Wasser, medizinischer Versorgung und Hygiene ist vielerorts unterbrochen·      Cholera, Mpox, Malaria, Masern und andere epidemische Krankheiten bedrohen besonders Kinder und Frauen

In Gateri leben derzeit über 1.000 Familien unter prekären Bedingungen. Die Fondation Stamm ist mit medizinischen und psychosozialen Teams im Einsatz, um akute Not zu lindern. Die Hilfe vor Ort wäre nicht möglich ohne starke Partner:

Burundikids e.V. engagiert sich aktiv in der Nothilfe – durch die Bereitstellung eines voll ausgestatteten medizinischen Containers, der als Behandlungsstation dient, der Finanzierung von Grundausstattung, Medikamenten und Transportmitteln, sowie logistischer Unterstützung für die Errichtung und den sicheren Betrieb vor Ort. Dieses Nothilfe Projekt wird möglich durch die Finanzierung von Apotheker ohne Grenzen – Kinder, Schwangere und besonders gefährdete Gruppen können medizinisch, psychologisch und organisatorisch versorgt werden. 

 

Camp Mubimbi

Die Kommune Mubimbi (Burundi) – ca. 30km außerhalb der Stadt Bujumbura – musste Tausende Familien aufnehmen, die aufgrund der Überschwemmungen in Gatumba umgesiedelt worden waren. Derzeit zählt das dort entstehende Camp 1.025 Haushalte (ca. 5.125 Personen, wenn man von 5 Personen pro Haushalt ausgeht). So sehen es Pläne der Behörden vor, um die gefährdete Bevölkerung von den überschwemmten Gebieten in Gatumba in den Ort Mubimbi in Sicherheit zu bringen.

Die Überschwemmungen waren bzw. sind die Folge der steigenden Wasserstände des Tanganjikasees und des Rusizi-Flusses. Krankheiten drohen sich in den überschwemmten Regionen auszubreiten, hinzu kommt die Gefahr durch Krokodile und Nilpferde.

Die Lebensbedingungen für die Binnenvertriebenen am Standort Mubimbi erweisen sich jedoch als äußerst schwierig. Eine freie Fläche wurde planiert, und die Familien dorthin umgesiedelt. Es fehlt jedoch grundlegend an aller Ausstattung und Infrastruktur. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse müssen Jugendliche und Erwachsene, Frauen und Männer, fremde Familien in denselben Zelten zusammenleben, wobei es ihnen an Privatsphäre und Schutz mangelt.

Darüber hinaus sind die hygienischen Probleme eklatant, da die sanitären Einrichtungen kaum funktionieren bzw. auch nicht ausreichend vorhanden sind.
Für die Kinder ist die Lage besonders beschwerlich.

Angesichts der genannten Herausforderungen benötigen die Familien am Standort Mubimbi dringend verstärkt humanitäre Hilfe. Es besteht ein akuter Mangel an Zugang zu grundlegenden Ressourcen wie Wasser, Nahrung, Energie und vor allem Gesundheitsversorgung.
Mit finanzieller Unterstützung von Apotheker ohne Grenzen (AoG) und den BURUNDI KIDS wird die Fondation Stamm eine kleine medizinische Station (Zelt) einrichten, um eine basismedizinische Versorgung zu gewährleisten. Notwendige Medikamente sollen zur Verfügung gestellt werden. Die ärztlichen Konsultationen, medizinischen Behandlungen und psychosoziale Begleitung sollen sichergestellt werden durch ein kleines Team mit Arzt/Ärztin, Krankenfleger*in und Psycholog*in.