Reisebericht – 04/2011 Viktor Funk

Ein Besuch in Burundi

Journalist und Fördermitglied Viktor Funk steht mit den burundikids seit mehreren Jahren in Kontakt. Besonderes Engagement zeigte er bei der Hilfsaktion für Rose, die er sogar während ihrer medizinischen Behandlung in Freiburg besucht hatte. Schließlich zog es ihn selbst nach Burundi, um mit allen Sinnen darin einzutauchen, wofür es sich einzusetzen lohnt. Seine Eindrücke:

Teil 1: Sehen, riechen, schmecken

„Ich saß auf dem schmalen, gepolsterten Gepäckträger seines Fahrrads und roch, wie er sich abmühte. Aus der braunen Steppweste, die er auf seinem nackten Oberkörper trug, strömte der Geruch harter körperlicher Arbeit. Im Reflex wollte ich erst die Luft anhalten, dann atmete ich aus und wieder ein, ich sah auf die Waden des Jugendlichen dann auf seine Schultern, die ebenso muskulös wirkten.

Der Jugendliche radelte mich drei Kilometer entlang der Uferstraße des Tanganyikasees im Nord-Osten Bujumburas zu einem Strand-Club. Am weiß-blauen Tor des Clubs stieg ich ab, gab dem Rad-Taxi-Fahrer 300 Burundische Francs, 18 Euro-Cent, dann ging ich durch das Tor, durch einen sattgrünen, gepflegten Palmengarten, stiegt einige Holzstufen hoch, betrat die weitläufige Veranda vor dem Pool des Clubs „Bora Bora“, setzte mich auf eine breite, weich gepolsterte Couch und bestellte einen Maracuja-Saft für 3.000 Francs, 2,50 Euro.

Philipp Ziser im Mutter-Kind-Heim

Ich war nun schon seit einigen Tagen in Burundi, einem Land, von dessen Existenz ich nur dank Philipp Ziser erfahren hatte. Philipps Engagement beobachtete ich schon seit mehreren Jahren, las seine Berichte, die manchmal voller Hoffnung waren und manchmal voller Sorgen; ich betrachtete seine Bilder aus Burundi, aus dem Mütterheim, aus der neuen Schule, und ich spürte das Bedürfnis, selbst zu sehen, was die Fondation Stamm in Burundi erreicht hat.

Ich hatte in Zeitungen und in Lexika über den langen Bürgerkrieg in Burundi und über die Armut gelesen. Als ich schließlich die Reise plante und darüber Freunden und Familie berichtete, erntete ich verwunderte Blicke und die Frage, ob das denn wirklich sein müsse… Aber was wäre die Alternative? Die Alternative wäre nicht zu reisen – und das ist keine.

„Und, hast du den Eindruck, du bist in einem der ärmsten Länder der Welt?“, fragte mich Philipp gleich am zweiten Tag. Am Abend meiner Ankunft waren wir essen gewesen, ich hatte für weniger als fünf Euro eine große Portion Sangala-Fisch in grünem Pfeffer gegessen, dazu Kochbananen und das einheimische Bier „Primus“ getrunken. Am zweiten Tag war ich erstmals im „Bora Bora“, wo ich fast europäische Preise für Säfte und Essen zahlte; und in dem schlichten, sauberen und freundlichen „Agasaro Guest House“, wo ich untergekommen bin, zahlte ich elf Euro die Nacht. Die Straßen in meinem Viertel waren sauber, überall blühten Blumen, Bäume standen im satten Grün. Nein, Armut sah ich keine. In diesem kleinen Fleckchen Burundis herrschten europäische Verhältnisse nur mit besserem Wetter und schmackhafteren Früchten. Aber außerhalb dieses kleinen Fleckens, den einige wohlhabende Burunder und Weiße bewohnen, ist eine andere Welt, eine, die vor einigen Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten in einen langen Schlaf gefallen zu sein scheint. Und von dieser Armut und Einfachheit schützen sich die Wohlhabenden mit hohen Mauern, Stacheldraht und Wachpersonal – das ist nichts Burundisches, ein globales Phänomen, wenn die Moderne ein Land überrollt.

Extreme Unterschiede

„Ungleichzeitigkeit der Entwicklung“ nennt es der ehemalige ZEIT-Korrespondent Bartholomäus Grill in seinem Buch „Ach, Afrika“. Es gehörte zu meiner Reiseliteratur und es half mir, meine Eindrücke besser zu reflektieren, es half mir Manches leichter anzunehmen, aber es half mir nicht unbedingt, es zu verstehen. Doch der Autor schrieb selbst, dass auch er seinem Zwang, die Welt verstehen zu wollen, widerstehen musste, als er nach Afrika kam.

So führte ich im Süd-Osten der Hauptstadt Bujumburas in einer Grundschule, die ein katholischer Priester aufgebaut hatte, ein Gespräch mit dem Direktor. Wir saßen bei einer Fanta und einer Cola und sprachen über seine Kinder, zwei habe er bereits, sagte er und wunderte sich, dass ich noch keine hatte, obwohl ich älter bin als er. „Möchtest du noch weitere Kinder?“, fragte ich. Noch vier, hörte ich als Antwort. Warum so viele?

Nun“, antwortete er, lächelte, zuckte mit seinen Schultern und sagte: „Es kann ja sein, das eines stirbt.“ Ich war baff. Ich habe erwartet, dass er die hohe Sterblichkeit für Kinder erwähnt – aber sein Lächeln, hatte ich nicht erwartet. Das verstand und das verstehe ich nicht. Damals war ich froh, dass unser Essen bald kam und ich meine Verwunderung nicht aussprechen konnte. Wir aßen Schaschlik von Ziege, die direkt vor dem kleinen Café der Grundschule aufgehängt worden war und von der immer dann kleine Fleischstücke abgeschnitten wurden, wenn eine Bestellung kam. Es war ein Wochenende und dann mieten Nachbarn der Schule das kleine Café, schenken Getränke aus und grillen. Männer und Frauen aus den Häusern, die vereinzelt auf den umliegenden Hügeln rund um die Schule stehen, kommen zusammen.

Ein Bericht von Viktor Funk

Teil 2: Schule im Rebellengebiet

Steigt man die Hügel im Süd-Osten der Stadt herab bis zum Seeufer und folgt der Uferstraße nach Nord-Westen gelangt man dorthin, wo die Fondation Stamm begann: am gegenüberliegenden, äußersten Rand Bujumburas. Vor fünf Jahren hatte Verena Stamm im damaligen Rebellengebiet ein Grundstück erworben und ließ das erste Schulgebäude errichten.

„Wir hatten es damals noch nicht einmal fertig, da kamen schon die ersten Familien zu uns und wollten ihre Kinder anmelden“, erinnerte sich die Gründerin der Stiftung, Verena Stamm, im Gespräch. Die Mütter hätten sie fast dazu gedrängt, mit dem Unterricht zu beginnen.

Mit maximal 40 Schülern in einer Klasse bietet die „Ecole Polyvalente Carolus Magnus“ (EPCM) heute geradezu luxuriöse Lernbedingungen in Burundi; in den staatlichen Schulen sind es schon mal 100 Schüler und mehr in einer Klasse. Mehr als 800 Mädchen und Jungen lernen in der EPCM, bald werden es noch mehr sein, wenn das zweite Schulgebäude fertig gebaut ist.

Eine kleine, eher symbolische Schulgebühr von drei Euro für drei Monate muss zwar jede Familie bezahlen – doch die Kosten sind damit nicht gedeckt. Vor allem hier, in der Schule, habe ich das Gefühl, das jeder Euro eines Unterstützers aus Deutschland sinnvoll investiert wird. Vom Kindergarten bis zur Ausbildung zum pharmazeutisch-technischen Assistenten bietet die Fondation Stamm hier eine vollständige Schullaufbahn und eine Lehre.

Der Schulkomplex und die Ausstattung der Schule sind viel besser, als ich es erwartet hatte – selbst den Umgang mit Computern lernen die Schüler hier. Mit einer Solaranlage ist die Schule außerdem unabhängig vom städtischen Stromnetz. In einem eigenen Krankenhaus werden Schüler, Lehrer und deren Familien kostenlos behandelt. Geht alles nach Plan, wird das Krankenhaus schon bald auch Geld einbringen, weil immer mehr Menschen aus dem Bezirk zur Behandlung kommen; mehrere Zimmer sind soweit hergerichtet, dass auch stationäre Behandlung möglich ist.

 

Hunger trotz Reichtum

Von Anfang an war ich überwältigt von der Vielfalt an Früchten in diesem Land. Nach einem Ausflug ins Landesinnere, wo wir in der Region Kayanza eine Ausbildungskooperation verschiedener NGO besuchten, kauften wir auf der Hauptstraße nach Bujumbura ein. Dort, wo mehrere Häuser am Straßenrand standen, oder eine kleine Siedlung war, boten Bauern ihre Früchte an. Die Verkäufer am Straßenrand waren fast ausschließlich Männer. Sie legten ihre Ware in Flechtkörben aus. Wir hielten an einer Stelle, im Schatten eines kleinen Felsen, von dem Wasser in kleinen Bächen herunterlief. Mit Bambusröhren lenkten die Männer das Wasser so ab, dass es ganz fein auf ihre Früchte nieselte. Die Auswahl an Obst und Gemüse übertraf die eines großen deutschen Supermarktes. Sie lagen vor uns aus, und lockten mit ihrem Duft und ihren satten Farben der perfekten Reife – Erdbeeren, Maracuja, Barbadinen, Gemüse wie Brokkoli, Zwiebeln, Möhren, Salate und auch Pilze.

An einem Haltepunkt kamen dann doch Frauen zu uns und boten Tomaten an. Eine junge Frau trug ein Kind auf dem Rücken, sie hielt unserem Fahrer Tomaten vor und handelte lange mit ihm. Nein, nein, nein, sagte Manuel mehrfach und lachte dabei, weil der Preis so unrealistisch hoch war. Als Manuel dann doch endlich okay sagte, strahlte die Frau plötzlich über ihr ganzes Gesicht, gab uns den Korb mit den Tomaten und lief um den Wagen herum und zu ihrer Hütte. Dort beugte sie sich hinter eine kleine Mauer und tauchte mit drei sehr großen und wohl geformten Tomaten auf, rannte wieder zu uns und legte sie noch auf den Tomaten-Korb drauf. Der Preis muss sehr gut gewesen sein.

Es ist schwer vorzustellen, dass es Hunger gibt in diesem reichen Land, dachte ich im Wagen, während um mich herum die ganze Vielfalt der Feldfrüchte lag und duftete: süßliche Zwiebeln, Petersilie, Fenchel, Salat. Doch als Folge des Krieges und auch der hohen Geburtenrate ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln für alle nicht gesichert. Am Straßenrand sahen wir Kinder mit aufgeblähten Bäuchen und alte Menschen, die ganz verwahrlost waren. Wer von ihnen im Krieg seine Familie verloren hat, um den sorgt sich heute keiner mehr. Zwischen den kleinen Siedlungen im Landesinneren standen einzelne Häuser am Straßenrand oder in den Feldern. Kein Strom, kein fließendes Wasser, ein Loch als Fenster in den niedrigen Lehmhütten – vor Jahrzehnten sah es hier nicht anders, außer, dass der Wald noch nicht so stark gerodet war.

Bildung – eine Frage des Zufalls

In entlegenen Dörfern liefen Kinder vor unserem Wagen weg. Wer groß genug war, auf eigenen Beinen zu stehen, griff den kleineren Bruder oder die kleinere Schwester und lief. Wie hielten an einer Ziegelei, um Holzkohle zu kaufen. Sofort kamen einige Kinder hervor, ein Junge trug Ziegel auf seinem Kopf, er war nicht älter als sieben Jahre, er stand direkt vor unserem Wagen und balancierte die Ziegel auf seinem Kopf. Als ich meine Kamera hob, um ihn zu fotografieren, rief ein anderer Junge ihm etwas zu und der drehte sich rasch um und lief hinter einen Block gestapelter Ziegel. „Vielleicht wird der Junge Glück haben und eines Tages doch noch in die Schule gehen können“, notiere ich mir an jenem Tag in meinem Tagebuch.

Der Kinderreichtum Burundis kommt mir wie eine Chance und ein Risiko zugleich vor. Es gebe so viel aufzubauen in diesem Land. Die Infrastruktur ist noch sehr dünn ausgebaut, die geographische Lage macht das Land aber zu einem unvermeidlichen Transitstaat für die Ost-West-Handelsruten des Kontinents. Bodenschätze sind noch unerforscht, die Landwirtschaft hat dank der klimatischen Bedingungen hervorragende Bedingungen. Und ob man es gut heißen möchte oder nicht – die Kriege und die Waldrodungen haben die Gesellschaft so nachhaltig verändert, dass ihr wenige Alternativen bleiben, als sich doch der Moderne mit all ihren technischen Vor- und Nachteilen zu stellen. Und eben dafür braucht es seine jungen Menschen.

Sie sind zugleich auch ein Risiko, wenn sie nicht eine Perspektive für ihr Leben sehen. Ich durfte einige junge deutsche Psychologen bei ihrer Arbeit begleiten, sie interviewen Straßenkinder, deren Lebensgeschichten zeigen, wie schmal der Grat zwischen Entwicklung und Zerstörung ist. In einem Viertel, das man am besten mit dem Wort Slum beschreibt, warteten wir auf einen Jugendlichen, um ein angefangenes Interview fortzusetzen. Doch er sagte, er sei krank und könne nicht mit. Vor unseren Augen aber arbeitete er und schleppte schwere Säcke. Unser Übersetzer versuchte, mit ihm zu sprechen, doch schon bald stand ein Pulk von Jungen und Jugendlichen um ihn herum und diskutierte mit ihm, was wir da eigentlich tun. Der Geruch von Haschisch umgab sie, einige wankten, ein etwas älterer junger Mann bot uns etwas an, doch das Gespräche versandete. Unser Übersetzer entschied schließlich, besser zu fahren. Sonst hätten sie uns noch den Wagen auseinander genommen, sagte er.

Der interviewte Junge gehörte zu einer Clique aus einem Dorf, die gemeinsam in die Stadt gekommen war. Hier schlugen sie sich durch, und dafür schlugen sie auch manchmal auf andere ein. Sie gingen nicht zur Schule und von dem einen Euro, den ein Junge am Tag maximal verdiente, indem er schwere Säcke mit Zucker oder Reis schleppte oder Botendienste machte, konnten sie sich immer noch Drogen leisten.

Ein Bericht von Viktor Funk


Batwa Pygmäen aus dem Nord-Osten Burundis in ihrem Haus

Teil 3: Ungelöste Konfliktpotenziale

Egal wie viel ich vorher über Entwicklungsländer gelesen habe, erst in Burundi verstand ich wirklich, welche Gefahr in den extremen Entwicklungsunterschieden steckt: Wenn Zentren hoch modern sind, die Machthaber über neueste Kommunikations- und Sicherheitsinfrastruktur verfügen, und die Peripherie zugleich in ihrer Entwicklung zurückbleibt, entsteht eine gefährliche Spannung. Es mag kurzfristig vorteilhaft sein für das Zentrum, weil es über die Menschen in ländlichen Regionen leichter herrschen kann, doch die massiven Unterschiede zwischen Armut und Reichtum, in der Bildung, dem Zugang zu Kommunikation und der Möglichkeit auf Mobilität erzeugen Konfliktpotenziale. Langfristig schützen dann auch hohe Mauern und der Stacheldraht nicht.

Auf eine dramatische Weise wurde mir das ganz im Nord-Osten Burundis deutlich, an der Grenze zu Ruanda. Zusammen mit Verena Stamm und Philipp Ziser besuchte ich einige Projekte. Wir kamen in ein Jungenheim, wo Verena Stamm Kleidung verteilte und den Heimleiterinnen Geld gab; wir sahen uns ein Landwirtschaftsprojekt an, bei dem Bauern lernen, wie sie nachhaltig und erfolgreich ihre Felder bestellen, wo sie Setzlinge züchten und neue Mais-Sorten ausprobieren; und schließlich besuchten wir eine Schule für Pygmäen-Kinder. Nur wenige Hundert Meter von der Schule und dem Pygmäen-Dorf verlief eine neue Asphalt-Straße. Ursprünglich hatten die Pygmäen in Waldgebieten gelebt, doch der Wald ist nun weg. Hinter den Lehmhäusern, die sie von der katholischen Kirche bekommen haben, breiteten sich einzelne Feldparzellen aus. Zwischen den Häusern standen einige Strohhütten aus Ästen, Zweigen und Gras. Die Alten, die sich an die neuen Häuser nicht gewöhnen konnten, hausten immer noch wie je und je. Nur, dass um sie herum nichts mehr so war, wie es unzähligen Generationen gewesen ist.

 

In der Schule drängten sich mehr als 50 Kinder, zu viert, zu fünft saßen sie auf einer Schulbank und wiederholten, was ihnen die Lehrerin vorsagt. Unsere Anwesenheit irritierte sie. Doch als Verena Stamm begann, Pullover zu verteilen, schwand ihre Scheu. Ihre Eltern und Großeltern kamen in den Schulraum herein, es wurde so voll, dass wir schließlich lieber rausgingen, weil nicht alle hineinpassten.

Als wir draußen standen, kamen Alte und einige Frauen mit Kleinkindern und baten um Geld. Immer wieder zeigte ein alter Mann, der ein graues, abgenutztes Sakko und eine dunkle Hose trug, auf seinen Bauch und auf seinen Mund.

Man habe ihnen versucht, Feldanbau beizubringen, doch es klappte nicht, berichtete Verena Stamm später. Vielleicht sei es doch wieder nötig, Essen auszuteilen.

Brutale Moderne

Nirgendwo in Burundi wurde mir die Brutalität der Moderne so deutlich wie im Pygmäen-Dorf. Ihre Welt, ihre Wälder und damit wohl auch Teile ihrer Kultur, sind vergangen und sie kommen nicht wieder zurück. Die Menschen aber sind in der neuen Welt nicht angekommen, vielleicht noch nicht. Einige werden sicher, dank der Schule, mit den neuen Herausforderungen lernen umzugehen. Doch der alte Mann und die alte Witwe in der Hütte aus Ästen und Zweigen – wie lange halten sie noch in der neuen Welt aus?

Die Begegnung mit den Pygmäen verwirrte mich. Es war nicht ihre Armut, die so stark auf mich wirkte, diese Armut sah ich auch bei anderen. Es war ihre Lethargie, ihre Hilflosigkeit… die mich bis heute beschäftigt. Aus diesem tiefen psychischen Tal können die Menschen allein nicht heraus.

Am Samstag vor meinem Abflug fuhr ich noch einmal ins „Bora Bora“. Drinnen fand ich keinen Sitzplatz mehr, alle Sitzbänke, Stühle und selbst die Hocker am Tresen waren besetzt. Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch, Russisch und andere Sprachen drangen in mein Ohr. Entwicklungshelfer, Diplomaten, Geschäftsleute, Soldaten der UN verbrachten ihr Wochenende hier, aßen Grillspieße, tranken Import-Bier und vergaßen für einige Stunden, dass sie in einem der ärmsten Länder der Welt waren. Für einen Augenblick vergaß ich es auch, als ich einen wunderbaren Frucht-Cocktail trank. Dann leuchtete mir auf: So schnell entsteht wohl die Ungleichzeitigkeit in der Entwicklung eines Landes – wenn man vergisst, was außerhalb der eigenen Wände geschieht.“

Ein Bericht von Viktor Funk

Reisebericht – 02/2011 burundikids schweiz

In Burundi
Im Februar 2011 waren die Gründer der Stiftung burundikids schweiz – Verena Zintzmeyer Egloff und Thomas Egloff – in Burundi. Sie besuchten die mit der Hilfe ihrer Stiftung realisierte Klinik „Centre Medical Hippocrate“ und erstellten zusammen mit Verena Stamm und Philipp Ziser ein Budget für den Betrieb der Klinik für die nächsten drei Jahre. Hier geht es zu ihrem Reisebericht.

Krankenschwester Agnès mit einem kleinen Patienten im Centre Medical Hippocrate

Reisebericht – 09/2010 Ruth Nießen

An alle burundikids-Interessierte!

Ich bin Ruth Nießen, 22 Jahre alt und war von 2007 bis 2008 ein Jahr lang in den Einrichtungen der Fondation Stamm in Burundi.

Nach mehr als zwei Jahren, die ich nun wieder in Deutschland verbracht habe, denke ich noch sehr häufig an meine Zeit in Burundi, in der ich mich in einem Land Zuhause gefühlt habe, das ich nicht kannte. Zudem konnte ich mir nicht vorstellen, wie ein Leben dort aussieht. Ich bemerkte von Monat zu Monat, wie viel mir dieses Leben gibt. Die Kinder, ihre Lebensfreude, obwohl sie oftmals in sehr schwierigen Verhältnissen leben, ihre Unbeirrbarkeit, nicht aufzugeben, sondern ihr Leben zu genießen und es auch für mich unvorstellbar zu verschönern. Ich habe gelernt, gelassener zu werden und mich und andere Menschen sehr wichtig zu nehmen und weniger auf die gesellschaftlichen Umstände und ihre Auswirkungen auf unser Leben zu achten.

Im Moment mache ich während meines Studiums der Sozialen Arbeit ein siebenmonatiges Praktikum beim Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ich möchte mehr darüber erfahren, wie Deutschland sich im Umgang mit Ländern verhält, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Meine Erfahrungen während des einjährigen Aufenthaltes in Burundi prägen mich bis heute. Ich habe im Unterricht mit den Lehrern der „Ecole Polyvalente Carolus Magnus“ in der Nähe von Gatumba ein Engagement kennen gelernt, welches ich mir wünsche auch in meiner späteren Arbeit wieder zu finden. Mit der Verteilung von Mikrokrediten in verschiedenen Stadtbezirken der Hauptstadt Bujumbura lernte ich die Tatsache, dass kleine, aber gut durchdachte Projekte große Wirkungen haben.

Ich möchte diese Erfahrungen und die Lebensfreude meiner neu gewonnen Freunde nicht missen. Ich danke burundikids e.V. von Herzen, dass sie jungen Menschen diese Möglichkeit geben und hoffe, dass viele Menschen sich weiterhin dafür engagieren.

Ich freue mich schon sehr, in den nächsten Jahren einmal zurückzukehren und die mir bekannten Projekte erneut zu besuchen und alle, die ich so schätzen gelernt habe, wieder zu sehen.

Ruth Nießen (September 2010)

Reisebericht – 02/2010 Robert Leitner

Einmal Burundi und zurück

Ein Bericht von Robert Leitner

Im Februar 2010 hatte ich eine Kurzreise nach Burundi gemacht. Ich wollte mir die Projekte der Fondation Stamm einmal „live“ ansehen, andererseits wollte ich natürlich auch Burundi als Reiseland kennen lernen. Was macht man in Burundi, was kann man erleben, was lernen? Zuallererst, was man nicht finden und erwarten sollte, sind ausgeprägte touristische Infrastrukturen und die üblichen Annehmlichkeiten durchorganisierter Afrikareisen, wie vielleicht in Kenia oder Tansania. Für Burundi brauchen Sie ein bisschen mehr Abenteuerlust. Was sie dann aber finden werden, ist ein ungeschminktes Land mit Narben und Herausforderungen, aber auch mit sehr charmanten und engagierten Menschen und einigen wirklich atemberaubenden Erlebnissen und Panoramen. Sollten Sie unter diesen Voraussetzungen reisen wollen, was ich Ihnen sehr empfehlen kann, hätte ich da ein paar kurze Tipps und Notizen…

1. Tanganyikasee

 

Auch wenn Gustave, das legendäre, Menschen fressende Krokodil schon lange nicht mehr gesehen wurde: der Tanganyikasee, der nach dem Victoriasee zweitgrößte See Afrikas, beeindruckt auch ohne Bestien. Fast 700 km lang erstreckt sich er sich entlang des westlichen afrikanischen Grabenbruchs. Obwohl durchschnittlich nur 50 km breit, soll der See unglaubliche eineinhalb Kilometer tief sein und bildet damit das größte Süßwasserreservoir Afrikas. Über lokale Reiseagenturen kann man hier sogar Tauchtripps organisieren und auf die Pirsch nach Buntbarschen gehen. Für alle Nichttaucher bietet der See einfach eine wunderbare Kulisse wenn er sich nach einem schwülen, heißen Tag mit einem dunstigen Schleier überzieht und sich die Berge des Kongo am anderen Ufer langsam in Dunkelheit auflösen. Zurück bleibt die Akustik Afrikas mit Vögeln, Insekten, Stadtleben und dem Chorgesang aus der Kirche neben dem Hotel. Und Mücken. Und deshalb sollten wegen des Malariarisikos ein wirksames Repellent und nachts ein Moskitonetz zur Grundausrüstung gehören.

 

2. Hippos und Strandbars
Gustave ist Legende, Hippos sind es nicht. Die angeblich gefährlichsten Tiere Afrikas, die Krokodile und Großkatzen in ihrer Gefährlichkeit für den Menschen in den Schatten stellen sollen, kommen gerne mal an den Strand einer der schicken Strandbars am Rande des Rusizi Nationalparks, um im seichten Wasser zu weiden und eine Bilderbuchkulisse für Ihr kühles Getränk und die gedämpfte Musik abzugeben. Burundi bietet vielleicht nicht die reiche Wildtierfauna seiner östlicheren Nachbarn Kenia und Tansania, aber auch hier kann man Einige Entdeckungen machen, wie den Afrikanischen Fischadler, den Hammerkopf oder Unmengen von Webervögeln.

3. Perspektiven

 

Neben der beeindruckenden Landschaft gibt es natürlich auch die Schattenseiten und Herausforderungen eines armen Landes. Und Perspektiven. Womit verdienen Sie ihr Geld? Genau. Sie leben von Ihrer Bildung. Sie ist die Grundlage für Entwicklung und Nachhaltigkeit. Wie investiert die Fondation Stamm Spendengelder? Sie investiert in Bildung. Kindergarten, Schule, pharmazeutische Ausbildung, medizinische Ausbildung, gesundheitliche Aufklärung, landwirtschaftliche Projekte, Mikrokredite für junge Frauen. Wenn Sie wissen wollen wie Nachhaltigkeit aussieht, lassen Sie sich von den MitarbeiterInnen der Fondation die Projekte zeigen! Die sind beeindruckend und allein schon einen Besuch wert!

 

4. Visionen
Der See, das über 2.000 Meter hohe Hochland im Süden mit atemberaubenden Panoramen, die südlichste Nilquelle, der nahe Kongo. Das alles sind touristische Versprechen, die es zu erschließen gilt. Wie macht man das? Genau: Ausbildung! Auf einem netten Grundstück, das die Fondation am Seeufer erworben hat, könnte vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft eine Hotelfachschule stehen. Die Vision dafür gibt es schon.

5. Respekt

 

Die Räume erinnern ein bisschen an einen Hochsicherheitstrakt. Langer Gang, links die Fenster zum umfriedeten Hof, mit Gittern davor. Rechts die Schlafräume, fensterlos, mit Stockbetten. Vier Frauen teilen sich mit ihren Kindern einen Raum. Was hier in Kinama, einem der ärmsten Viertel Bujumburas, aussieht wie ein Gefängnis, ist in Wahrheit eine Zuflucht, mit hohen Mauern und Wachmann. Die Bewohnerinnen sind junge, alleinerziehende Mütter, die nach Vergewaltigung und Vertreibung hier untergekommen sind. Die Frauen, alleinstehend, scheinen attraktive Ziele für die Männer der Nachbarschaft zu sein, die, über die Mauern geklettert, hier zweifelhafte Ablenkung und Spaß zu finden hoffen. Wären da nicht die dicken Mauern des Hauses, die Gitter und der Wachmann. Die Frauen stellen Handarbeiten und Spielsachen her, Puppen, Bälle, und lernen auf eigenen Beinen zu stehen. Mit etwas Glück werden sie nach einiger Zeit in burundische Gastfamilien oder ihre eigenen vermittelt, wo sie, ausgestattet mit Mikrokrediten als Anschubhilfe, einen Neuanfang wagen können. Das Heim in Kinama heißt „Nyubahiriza“ – respektiert uns. Ein mehr als respektables Projekt.

 

6. Muzungu! Amahoro!

 

Als Weißer werden Sie in Burundi auffallen, zumindest auf dem Land, weil sich hier, abseits der Hauptstadt Bujumbura, nicht so schrecklich viele Weiße herumtreiben. Und Sie werden ein kirundisches Wort schnell lernen! Muzungu, das Wort für einen Weißen, das die Kinder im Herbeilaufen rufen, mit breitem Lachen im Gesicht und ungespielter, sympathischer Neugier auf die Fremden. Antworten können Sie darauf mit einem freundichen amahoro, hallo, und ob Sie auf amahera reagieren wollen oder nicht, entscheiden Sie selbst. Damit werden Sie nämlich nicht begrüßt, sondern um Geld gebeten.

 

7. „A“ wie Ananas

 

Vergessen Sie mal, was sie sich unter Annanas so vorstellen. Reisen Sie nach Norden in die Nähe von Ngozi, zu Lucien, dem Leiter des Landwirtschaftsprojektes Ruhororo, und lassen Sie sich durch einen Teil der mehrere Hektar großen Anbauflächen mit Bananen und Mais und durch den Stall mit dem Vieh führen. Lucien wird Ihnen erklären, wie die Landarbeiter ausgebildet werden und mit welchen Vermarktungsmodellen sie arbeiten. Das Projekt läuft gut und der Absatz der Produkte funktioniert. Wenn Sie Glück haben, sind noch Ananas da. Vielleicht kriegen Sie eine frisch vom bodentiefen Strauch geschnitten und dürfen sie mit nach Hause nehmen. Und damit hätte sich die Reise dann auch schon gelohnt. Damit können Sie sich bei den Daheimgebliebenen nämlich ganz enorm beliebt machen und wird mehr keiner fragend den Kopf schütteln, von wegen „Burundi, ist nicht dein Ernst, oder?“. Ehrlich!

 

8. „A“ wie Avocado
Mein Rat: Frühstücken Sie anders. Auf gar keinen Fall wie zu Hause. Sie würden es bereuen. Wenn Sie im Hotel ein europäisches Frühstück bestellen, kriegen Sie ein Weißbrot mit ganz schrecklicher Erdbeermarmelade. Bestellen Sie Suppe, die bringt Sie zuverlässig in den Tag. Was drin ist, weiß ich nicht so genau. Blattgemüse kleingehackt. Sieht aus wie eine Mischung aus Spinat und Grünkohl. Nicht scharf aber gut. Dazu ein längliches Brötchen, außen dunkelbraun, innen süß und flauschig. Oder, mein persönlicher Favorit, eine Avocado. So reif und butterweich, wie ich vorher noch keine gegessen hatte. Salz dazu und dann loslöffeln. Vor vier Uhr nachmittags brauchen Sie an Hunger keinen Gedanken mehr zu verschwenden.

9. Mörderisch
Burundi ist gefährlich. Aber nicht wegen des Bürgerkriegs, dessen Narben überall zu sehen sind. Auch nicht, weil die Ausflüge zu entlegenen Wasserfällen mit bewaffneter Eskorte stattfinden, um Wegelagerer abzuschrecken. Auch nicht wegen der Malaria, die man aber natürlich nicht unterschätzen sollte. Gefährlich ist Burundi wegen seiner Radfahrer. Junge Männer, auf dem Gepäckträger Unmengen Bananen getürmt, oder Körbe, oder Gemüse. Radfahrer, die von ihren Feldern die steilen Serpentinen der Berge nach Bujumbura hinunter jagen, auf dem Weg zu den unzähligen kleinen und größeren Marktständen. Und die haben ein mörderisches Tempo. Die Tachonadel unseres Wagens stand auf 60, als wir von einem Radfahrer mit Sozius überholt wurden. Die Jungs bringen sich nicht nur selbst um, wenn sie aus der Kurve getragen werden. Sie sind auch eine tödliche Gefahr für alle, die zufällig im Weg stehen. Verena Stamm hatte eine Begegnung dieser Art und konnte nur mit viel Glück nach filmreifer Evakuierung in ein kenianisches Krankenhaus und künstlichem Koma wieder nach Hause zurückkehren.

 

10. Ein gutes Team
Vielleicht einer der besten Gründe, warum sich die Spenden an die burundikids bezahlt machen und warum man mal nach Burundi reisen sollte, ist das Team der Fondation Stamm. Gleich ob Verena, die Frau mit Visionen und Durchsetzungskraft, Philipp, der Organisator und Leiter des Büros, Clothilde, die Psychologin, die die alleinerziehenden Mütter betreut, Lucien vom Landwirtschaftsprojekt, Bienvenu, der die gesundheitlichen Aufklärungen organisiert, Martina, die von Köln aus eingreift und noch einige andere Helfer. Sie sind der gut geschmierte Motor, der all die beeindruckenden Projekte am Laufen hält.

11. Illegales
Weshalb Sie nicht nach Burundi kommen sollten und was Sie nicht machen sollten, weil es illegal ist, ist sich in Mustafas „Studio“, einem Metallverschlag in einem dunklen Hinterhof gegenüber des Centre Culturel Français, eine CD mit Songs kopieren lassen. Natürlich alles Raubkopien im mp3-Format und wahlweise lokale Bands oder international, traditionell oder urban. Geht definitiv nicht als Förderung des nationalen Musikbusiness durch, sondern ist selbstverständlich Diebstahl geistigen Eigentums.

Reisebericht – 10/2009 Barbara Braun

Bei den Burundikids

Ein Bericht von Barbara Braun

Gerade haben sie noch auf dem Hof gekickt. Ein Gummischlappen diente als Ball. Sie toben und lachen, und die größeren zeigen sich schon einmal, dass sie echte Kerle sind. Jetzt tragen sie die burundische Nationaltracht und stellen die tonnengroßen Trommeln im Halbkreis auf. Wir Gäste kriegen Stühle. Dann wird der Hof zum Gral. Einer ruft den Appell des Gesangs, andere antworten, die Trommeln fallen ein. Beats, Stimmen, Tanz… alles pulst, Rhythmus pur. Jetzt weiß ich, warum ich hier bin! Die Trommler selbst: Straßenjungs, fast noch Kinder. Sie trommeln nur für mich. Welch ein Geschenk!

Im Oktober 2009 besuchte ich zwei Wochen lang die Projekte von burundikids e.V. Von oben gesehen ist Burundi sehr bergig und grün, kaum vorstellbar, dass das kleine Land auf dem Welthungerindex den vorletzten Platz belegt. Misswirtschaft macht’s möglich. Als ich ankomme, hat gerade die kleine Regenzeit begonnnen. Ab und zu gießt es, meist ist es aber sonnig und sehr warm, besonders in Bujumbura, der Hauptstadt direkt am Tanganyikasee. Ich wohne bei Philipp. Mit ihm und der burundischen Sozialarbeiterin Clothilde besuche ich die Projekte in der Hauptstadt und einmal auch das neue Ausbildungszentrum in den Bergen in Gitega. Die Verständigung auf Französisch klappt besser, als ich dachte.

Mein 21 kg Sack mit Kinderkleidung, gespendet von Kolleginnen aus den IKEA Service Center Diedenbergen ist heil angekommen. Die meisten Kleider werden die Kids zu Weihnachten bekommen. Einige bringen wir aber schon ins Waisenhaus. Die Kids freuen sich riesig. Ihre Augen zeigen die Freude, für die sie keine Worte haben.

Eines Tages wird ein vielleicht fünfjähriger Straßenjunge zu uns gebracht. Er trägt nur ein lumpiges Hemd und Gummilatschen. Von Verena Stamm kriegt er aus dem IKEA Kleidersack zwei Ausstattungen Hosen und Shirts. Als er die Zweitausstattung in die Hand bekommt, sagt er mit feierlichem Blick: „Die zieh ich an, wenn ich gewaschen bin.“

Alle hier haben den Krieg in Neunzigerjahren erlebt oder sind Nachkriegskinder. Vielleicht war es zu meinem Schutz, dass ich nicht alles auf Französisch verstand, was ich erzählt bekam über den Krieg und die Armut. Aber die Burunder lachen trotz alldem gern und viel. Wie Philipp sagte: die Exoten sind hier wir, die Muzungus, wie sie Weiße hier nennen. Ich bin an meine Grenzen gekommen hier, und alles Erlebte ist tief in mich hinein gesunken und wirkt dort noch immer.

Als ich nach zwei Wochen zur Weiterreise im Bus nach Tansania sitze, beschäftigt mich all das, für das ich keine Worte finde. Ehe der Bus startet, schaut mir ein poliokranker Bettler tief in die Augen. Er hat mich in der Hand. Dann fährt der Bus los. Erleichtert bin ich nicht. Erst die grünen Berge links und zur Rechten der See lassen mich etwas zur Ruhe kommen – bis wir in die Berge abbiegen zur tansanischen Grenze irgendwo im Nirgendwo. Ich hoffe sehr, ich kann irgendwann wieder kommen.Dort in Burundi konnte ich mich direkt überzeugen, wie sehr es sich lohnt, die Projekte zu unterstützen, und dass diese Hilfe eins zu eins ankommt. Eure/Ihre Hilfe wird benötigt und kommt an! Danke.

Reisebericht – 2006 Marie Kirch

 

Hallo,

Mein Name ist Marie Kirch und ich war eine der ersten vier Freiwilligen von burundikids bei der Fondation Stamm. Nach meinem Abitur 2006 verbrachte ich ein Jahr in Burundi und lebte den Großteil der Zeit im Waisenhaus „Centre Uranderera“ in Bujumbura. Bevor ich ankam, wusste ich nicht genau was mich in Burundi erwarten würde, aber ich wollte das Land, die Leute und die burundische Kultur kennen lernen, und war besonders gespannt auf die Kinder, mit denen ich dort leben und arbeiten würde. In Burundi angekommen, wurde ich so herzlich empfangen und war so begeistert von allem, was ich sah, dass ich sofort wusste, „genau hier und nirgendwo anders will ich dieses Jahr verbringen.“

Schnell lernten wir die verschiedenen Projekte kennen und ich fand mit eigenen Ideen, aber vor allem durch die Ideen der Kinder und Jugendlichen, Bereiche, in denen ich etwas Sinnvolles beisteuern konnte. Dies reichte von Sprachunterricht über Hausaufgabenbetreuung, medizinischer „Grundversorgung“, mit den Straßenkindern trommeln, einer Musicalaufführung bis hin zu dem Einfachsten und Besten: Zeit miteinander zu verbringen, füreinander da zu sein und sich kennen zu lernen.

Dieses Jahr in Burundi hat mein Leben stark beeinflusst und in einem positiven Sinn verändert. Ich lernte viel über die Menschen um mich herum und über mich selbst. Auch wenn es nicht immer leicht war und auch schlimme Momente gab, kann ich mit großer Sicherheit sagen, dass es das beste, das eindrucksvollste, das ereignisreichste Jahr meines Lebens war. Bis heute denke ich jeden Tag an diese Zeit und meine burundischen Freunde!

Jetzt bin ich 23 Jahre alt und studiere Medizin in Witten, NRW. Mein Medizinstudium ist sehr erfüllend und interessant und auch ein gutes Beispiel für den Einfluss, den dieses freiwillige Jahr auf mein Leben genommen hat. Die Wahl meines Studiums fühlt sich sehr „richtig“ an und erleichtert mir (leider nur ein wenig) die Tatsache, dass mir die Kinder, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind, jeden Tag fehlen! Umso größer ist der Wunsch und die Vorfreude, sie eines Tages wieder zu sehen!