AMELCO – Erfolgsgeschichten & Portraits

In den ländlichen Gebieten Burundis ist die Subsistenzwirtschaft aus Ackerbau und Viehhaltung die wichtigste Einkommensquelle der meisten Menschen. Die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte findet kaum statt, da es häufig sowohl an notwendigem Wissen als auch an entsprechenden Strukturen fehlt. Hinzu kommt, dass nutzbare Anbauflächen durch Klimaveränderung und Bevölkerungswachstum zunehmend knapper werden. Die Landbevölkerung versteht die Zusammenhänge und hat ein gutes Problembewusstsein – und den Wunsch, daran etwas zu ändern.

Burundikids e.V. setzt genau hier an und engagiert sich dazu für den Aufbau und die Stärkung landwirtschaftlicher Kooperativen. In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wurde in diesem Rahmen unter anderem das Projekt AMELCO (Amélioration par des Coopératives) initiiert. Das Projekt findet in VICOBA (Village Community Banking) seine aktuelle Fortsetzung. Doch bereits vom AMELCO Projekt haben viele junge Menschen profitiert. Diese Erfolgsgeschichten möchten wir erzählen.

A. Bizimana

Herr Bizimana ist vierfacher Vater. Vor seiner Teilnahme am Projekt hatte er erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten: Die geringen Einkünfte aus der Landwirtschaft reichten weder für Investitionen noch für eine Verbesserung der Lebensbedingungen seiner Familie aus.

Über seine Spar- und Kreditgruppe erhielt er Schulungen zu bewährten landwirtschaftlichen Praktiken sowie Betriebsmittel. Ein von der Genossenschaft errichteter Lagerraum ermöglichte ihm erstmals eine geordnete Lagerung seiner Ernte. Mit einem ersten Kredit investierte er in Maniok-Anbau. Die Erlöse daraus reichten für den Kauf einer Milchkuh, die inzwischen rund drei Liter Milch täglich liefert. Einnahmen aus Milchverkauf, Landwirtschaft und weiteren Krediten ermöglichten ihm nach und nach, seine Produktion auszubauen. Heute ist A. Mitglied der anerkannten, zertifizierten Saatgutgenossenschaft für Bohnen- und Maissaatgut. Er berichtet: „Heute können Sie die Veränderungen bei mir zu Hause sehen. Ich habe ein schönes Haus, eine Milchkuh, Ziegen und gute Felder. All dies wurde durch die Kredite aus unserem Sparsystem und die Unterstützung des Projekts ermöglicht“.

N. Renovat

Auch Herr Revonat befand sich als Vater von drei Kindern mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert: geringe Ernteerträge, Ernährungsunsicherheit, unzureichende Einkünfte und eine bescheidene Behausung ohne nachhaltige Einkommensquelle.

Durch das AMELCO Projekt nahm er an Schulungen zu verbesserten Anbautechniken teil, erhielt Begleitung bei Spar- und Kreditsystemen, Unterstützung in der Tierhaltung sowie genossenschaftliche Betreuung zur Förderung produktiver Investitionen. Er erhielt seit seinem Beitritt in die Kooperative mehrere aufeinanderfolgende Kredite, die er in Viehzucht und den Erwerb landwirtschaftlicher Flächen investierte. So baute er sein Vermögen schrittweise aus: Ziegen und eine Kaffeeplantage mit 83 Bäumen. Heute besitzt er Betriebe im Gesamtwert von über 5.000.000 BIF, eine Milchkuh und ein modernes, blechgedecktes Haus. Herr Renovat kann nun beruhigt die Schulbildung, Ernährung und Gesundheitsversorgung seiner Kinder bezahlen. „Die Spar- und Kreditaktivitäten haben mein Leben völlig verändert. Ich bin zu einem Vorbild in meiner Gemeinde geworden“, berichtet er.

L. Manariyo

Herr Mayariyo ist 47 Jahre alt und Vater von sieben Kindern. Vor seinem Beitritt zur Spar- und Kreditgruppe hatte er nur über sehr begrenzte Mittel, um seine Landwirtschaft auszubauen. Durch das Projekt erhielt er Zugang zu der Gruppe und damit Unterstützung bei der Verwaltung seiner wirtschaftlichen Aktivitäten. Bis heute, einige Jahre nach seinem Beitritt, konnte er mehrere aufeinanderfolgende Kredite aufnehmen: Der erste diente dem Kauf einer landwirtschaftlichen Parzelle, der zweite dem Kauf einer Milchkuh, der dritte der Investition in einen neuen Betrieb für Mais, Bohnen und Bananen. Heute besitzt er mehrere Parzellen, hält eine Milchkuh und mehrere Ziegen. Seine landwirtschaftliche Produktion ist deutlich gestiegen und er ist dadurch in der Lage, Schul- und Arztkosten seiner Familie selbst zu finanzieren

F. Bitangimana

Herr Bitangimana betrieb er ein kleines Handelsgeschäft. Wie viele Kleinunternehmer im ländlichen Raum hatte er kaum Zugang zu Finanzdienstleistungen und nur einen begrenzten Warenbestand, was Umsatz und Kundenzufriedenheit einschränkte.

Er trat dem Projekt bei und durch gruppeninterne Schulungen entwickelte er eine verbesserte Finanzkompetenz. Mit einem Gruppenkredit stockte er das Kapital seines Ladens auf, vergrößerte das Produktangebot und den Warenbestand. Das brachte ihm mehr Kunden, stärkere Kundenbindung und steigende, regelmäßigere Gewinne. Durch diese verbesserten Einnahmen konnte er den Kredit fristgerecht zurückzahlen und sein Geschäft weiter ausbauen. Heute wirft sein Geschäft ein stabiles Einkommen ab, mit dem er seine Familie zuverlässig versorgen kann. Er ist zu einem ermutigenden Vorbild für andere Projekt-Mitglieder geworden. „Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass Sparen und gute Finanzverwaltung das Leben eines Unternehmers wirklich verändern können“, berichtet er.

D. Ntukamazina

Herr Ntukamazina ist Ehemann und siebenfacher Vater. Um seine große Familie zu versorgen, betreibt er Landwirtschaft. Das lief lange schlecht und seine Familie kam damit in eine prekäre Situation. Er trat dem Projekt 2020 bei und erhielt Schulungen zu Sparen und Krediten, eine technische landwirtschaftliche Beratung, verbessertes Saatgut sowie Unterstützung bei der Ziegenhaltung. Dadurch konnte er seine Produktion effektiver gestalten und steigern, mehr Umsatz erwirtschaften und seinen Grundbesitz erweitern. D erzählt: „Früher lebte meine Familie in prekären Verhältnissen, und wir hatten kaum Zukunftsperspektiven. Heute haben wir Solarstrom zu Hause, und meine Kinder leben unter besseren Bedingungen“.

 S. Misago

Frau Misago ist Mutter von vier Kindern und lebte mit ihrer Familie lange unter schwierigen Bedingungen: geringe Ernteerträge, kaum einkommensschaffende Tätigkeiten, mangelndes Selbstvertrauen und dadurch keine aktive Teilnahme am Gemeindeleben. Im Rahmen des Projekts erhielt sie Schulungen zu modernen landwirtschaftlichen Praktiken, einen Zugang zu verbessertem Saatgut, Unterstützung bei der Rinderhaltung sowie Begleitung beim Aufbau von Spar- und Kreditinitiativen. Sie sammelte dadurch neuen Mut und Perspektiven, und baute nach einigen Schulungen zu Unternehmertum und wirtschaftlicher Stärkung von Frauen ein kleines Geschäft auf, das ihr rund 1.000.000 BIF Einkommen einbrachte. Mittlerweile konnte sie ihr Einkommen noch weiter vergrößern.

„Dank der erhaltenen Schulungen und der einkommensschaffenden Aktivitäten, die ich aufgebaut habe, konnte ich ein beträchtliches Erspartes ansammeln, Vieh erwerben und die Lebensbedingungen meiner Familie verbessern. Heute bin ich selbstbewusster“, berichtet Frau Misago.

G. Nshimirimana

Herr Nshimirimana hatte lange Zeit nur sehr begrenzte finanzielle Mittel. Er kam in das Projekt und nahm bei seiner Spargruppe einen Kredit auf und investierte ihn in Maniok-Anbau. Die Einnahmen daraus ermöglichten ihm den Kauf zweier Milchkühe und den Ausbau seiner landwirtschaftlichen Aktivitäten. Aus den Erlösen des Milchverkaufs errichtete er anschließend ein eigenes Geschäft auf dem Hügel von Kiyange und multiplizierte so seine Einnahmequellen.

Die Gemeinschaft von der Herr Nshimirimana teil ist bekommt eine zusätzliche Förderung von 55.000.000 BIF mit dem Ziel der Stärkung der Rinderzucht und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Die Teilnehmer*innen sind mit der Belieferung der lokalen Schulkantinen anvertraut, was eine weitere und zuverlässige Einnahmequelle ist.

S. Cinditse

Frau Cinditse war viele Jahre besonders gefährdet durch wirtschaftliche Schocks und schlechte Erntejahre, denn sie arbeitete ganz allein.

Für sie war der Zugang zu einer Gemeinschaft ein glücklicher Wendepunkt: Durch ihre aktive Mitarbeit in der Genossenschaft und der gemeinschaftlichen Spar- und Kreditgruppe erwarb sie Kenntnisse in Finanzthemen und hatte Zugang zu Genossenschaftsdividenden. Mit diesen Möglichkeiten investierte sie in Tierhaltung, wobei sich die Schweinezucht als besonders rentabel erwies. Der Besitz einer Kuh verschaffte ihr zudem eine regelmäßige Quelle organischen Düngers, der Bodenfruchtbarkeit und Ernteerträge deutlich steigerte. Die Einnahmen aus Landwirtschaft und Viehzucht ermöglichen ihr, besser für Ernährung, Gesundheit und Bildung ihrer Kinder zu sorgen. Heute gilt Frau Cinditse in ihrer Gemeinschaft als Vorbild für Erfolg.

ML. Ndayisenga

Frau Ndayisenga hat lange Schwierigkeiten als Frau auf dem Land erfahren. Sie bekam keinen Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen, bevor sie Teil des Projektes wurde.

Seitdem profitiert sie von den positiven Auswirkungen gemeinschaftlicher Finanzsysteme auf die wirtschaftliche Selbstbestimmung von Frauen. Sie konnte schrittweise eine Sparkultur entwickeln, stärkte ihre Finanzmanagement-Fähigkeiten schulen und erhielt schließlich einen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Kredit erhalten. Das Geld investierte sie in ein Handelsgeschäft für Reis – ein Gut mit anhaltend hoher Nachfrage. Durch ihre neuerlernten Fähigkeiten in der Geschäftsführung baute sie eine treue Kundschaft auf. Die Einnahmen sichern ihr heute ein regelmäßiges Einkommen, mit dem sie das Leben ihrer Kinder finanzieren kann, während sie gleichzeitig ihre Rückzahlungstermine zuverlässig einhält. Ganz nebenbei hat die Erfahrung ihr Selbstvertrauen und ihre Rolle bei wirtschaftlichen Entscheidungen im Haushalt gestärkt. Frau Ndayisenga möchte ihr Geschäft weiter auszubauen.

S. Niyonkuru

Auch Herr Niyonkuru litt unter jahrelanger, ertragsarmer Subsistenzlandwirtschaft. Ihm fehlten sowohl Finanzwissen als auch Managementkompetenzen, um seine Umsätze zu steigern. Durch die Teilnahme am Projekt konnte er Sensibilisierungs-, Coaching- und Finanzbildungssitzungen besuchen und entwickelte er ein besseres Verständnis für Sparen, Investieren und Ressourcenverwaltung. Auch er bekam Zugang zu Genossenschaftsdividenden und entschied sich für den Kauf einer Kuh – eine Investition, die sich schnell auszahlte, da das Tier bereits ein Kalb zur Welt gebracht hat. Der organische Dünger aus der Viehhaltung steigerte die Erträge seines Anbaus, was zusätzliche Einnahmen aus dem Verkauf von Überschüssen ermöglichte. Heute steht sein Haushalt dank seiner neuen unternehmerischen Fähigkeiten auf einer soliden wirtschaftlichen Grundlage und ist besser auf Herausforderungen vorbereitet.

 D. Ntukamazina

Herr Ntukamazina ist Ehemann und siebenfacher Vater. Um seine große Familie zu versorgen, betreibt er Landwirtschaft. Das lief lange schlecht und seine Familie kam damit in eine prekäre Situation. Er trat dem Projekt 2020 bei und erhielt Schulungen zu Sparen und Krediten, eine technische landwirtschaftliche Beratung, verbessertes Saatgut sowie Unterstützung bei der Ziegenhaltung. Dadurch konnte er seine Produktion effektiver gestalten und steigern, mehr Umsatz erwirtschaften und seinen Grundbesitz erweitern. Herr Ntukamazina erzählt: „Früher lebte meine Familie in prekären Verhältnissen, und wir hatten kaum Zukunftsperspektiven. Heute haben wir Solarstrom zu Hause, und meine Kinder leben unter besseren Bedingungen“.

D. Ndayikeza

Frau Ndayikeza ist eine der eindrucksvollsten Beispiele für den sozioökonomischen Wandel unter den Projektbegünstigten.

Vor ihrem Beitritt lebte sie in wirtschaftlich prekärer Lage und ihr Haushalt hing von einem kleinen, wenig ertragreichen Grundstück ab. Sie besaß kein Vieh und aufgrund des Mangels an Dünger war ihre Ernte enorm eingeschränkt, was die Ernährungssicherheit ihrer Familie gefährdete. Ihr Beitritt zur Genossenschaft und die aktive Teilnahme an der gemeinschaftlichen Spar- und Kreditgruppe markierten einen echten Wendepunkt: Sie entwickelte sehr gute Finanzkompetenz. Mit angesparten Mitteln und Gruppenkrediten investierte sie in Viehzucht, eine Kuh und mehrere Schafe, wodurch ihr Haushalt heute deutlich besser dasteht. Dank des organischen Düngers aus der Viehzucht verbesserte sich nebenbei die Bodenfruchtbarkeit deutlich, ihre Erträge stiegen, und ihr Haushalt profitiert von besserer Ernährungssicherheit

E. Haragakiza

Frau Haragakiza war lange Zeit, wie viele Frauen auf dem Land, hauptsächlich auf saisonale Landwirtschaftseinkünfte angewiesen, die oft nicht für den gesamten Haushaltsbedarf reichte. Nach ihrem Beitritt ins Projekt und regelmäßige Teilnahmen an Schulungen konnte sie ihr Finanzwissen erweitern. Zudem ermöglichten ihr die Solidaritätsmechanismen der Gruppe auch einen Kredit. Sie entschied sich für die Investition in Ziegenzucht und baute darüber schrittweise einen produktiven Tierbestand auf. Durch Fortpflanzung der Tiere vergrößerte sich ihr Bestand kontinuierlich. Der gelegentliche Verkauf von Ziegen und deren Erzeugnissen verschafft ihr zusätzliche Einnahmen für den Lebensunterhalt ihrer Familie. Sie plant, ihre Tierhaltung weiter auszubauen, und inspiriert damit andere Frauen in ihrer Gemeinde.

Internationaler Tag gegen Kinderarbeit

In Burundi sind etwa 45% der Bevölkerung jünger als 15 Jahre und der Großteil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Oft bedeutet das, dass Familien auf jedes Einkommen angewiesen sind. Kinder müssen daher bereits in jungem Alter häufig bei der Selbstversorgung mithelfen und somit bleibt weder Zeit, noch Geld für Schulbildung.

Hier setzen wir an: Burundikids e.V. engagiert sich im Aufbau und in der Stärkung von landwirtschaftlichen Kooperativen. Durch einen nachhaltigen Ausbau der Strukturen sollen Familien eine funktionierende Selbstversorgung erlangen und ein stabiles Einkommen erwirtschaften können. Denn wenn Familien ein gesichertes Einkommen haben, können Eltern ihre Kinder in die Schule schicken.

09/2021 Ausbau der Kooperativen

Selbstversorgung durch Ackerbau und Viehhaltung ist die Haupteinkommensquelle in den ländlichen Gebieten Burundis. Das Problembewusstsein für Zusammenhänge zwischen Bevölkerungswachstum und Klimawandel einerseits und ausgelaugten, knappen Böden sowie Mangel an Betriebsmitteln andererseits – und der daraus entstehende Handlungsdruck unter der Landbevölkerung sind sehr groß.

Burundikids e.V. engagiert sich zusammen mit der Fondation Stamm deshalb im Projekt AMELCO (frz: Amélioration par des Coopératives) für den Aufbau und die Stärkung landwirtschaftlicher Kooperativen. AMELCO setzt in den nördlichen Provinzen Ngozi und Muyinga anhand Wissenstransfer, Anschubfinanzierung und Kapitalbildung für Investitionen sowie Erschließung neuer Absatzmärkte auf die Steigerung der Finanzkraft der ländlichen Bevölkerung und auf die gewinnorientierte unternehmerische Tätigkeit der Produzent*innen, bei gleichzeitig nachhaltiger Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Positive Effekte sind eine bessere Ernährungssicherheit, Schulbildung für Kinder und eine stärkere soziale Kohäsion in den Kommunen.

Dismas M. ist von Beginn an Mitglied der Kooperative im Ort Kiyange und dort für die Reismühle verantwortlich. Die Maschine schält für die Produzent*innen Reis – gegen Bezahlung an die Kooperative. Neuerdings bildet Dismas M. den jungen Pascal aus, der ihm helfen soll, die hohe Nachfrage zu bedienen. Die Reisernte ist in der Kommune gut ausgefallen. Pascal hatte die Schule während der 7. Klasse aufgrund finanzieller Schwierigkeiten seiner Familie abbrechen müssen. Das war vor zwei Jahren. Seither half er seinen Eltern bei der Feldarbeit. Mit dem neuen Job bei der Kooperative hofft er, mehr Einkommen für die Familie beitragen zu können.

Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und Engagement Global.

10/2019 Arbeit mit Kooperativen

Im Norden und Nordosten Burundis unterstützt Burundikids e.V. Kleinbauern beim Aufbau von Kooperativen. Ziel ist in erster Linie die Verbesserung der Ernährungslage der Bevölkerung in den Regionen Ngozi und Muyinga. Einerseits steigern die Kleinbauern ihre landwirtschaftliche Produktion durch den Zugang zu Saatgut und Betriebsmitteln. Andererseits entstehen neue Infrastrukturen wie Hangars zur Einlagerung von Ernten und neue Geschäftsideen durch Verfügbarkeit von Kapital.

Die Basis für die Kooperativen bilden Selbsthilfespargruppen. Dafür schließen sich mehrere Haushalte zusammen und gründen eine Gemeinschaftskasse, in die alle einen regelmäßigen Beitrag einzahlen und aus der intern Kleinstkredite vergeben werden können. Ein Teil des Geldes wird für Soziales und Notfälle verwendet. Auf diese Weise können die Gruppen bereits Kapital sammeln und neue Aktivitäten starten, zum Beispiel den Ankauf einer weiteren landwirtschaftlichen Fläche, um die Produktion zu steigern.

Mehrere dieser Spargruppen schließen sich zu einer Kooperative zusammen. Sie geben sich Statuten und wählen Gremien. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, registrieren sie sich bei einer staatlichen Behörde, wodurch sie ihren Handlungsspielraum noch erweitern. Aktuell haben 25 Kooperativen ihre Unterlagen eingereicht und warten auf ihre Akkreditierung.

Während die Kooperativen weitreichendere und größere Projekte anstoßen können, wie der Bau und Betrieb eines Hangars, Gründung von Saatgutproduktionen oder Inbetriebnahme von Getreidemühlen, bleiben die Spargruppen ihrerseits weiterhin aktiv. Ihre Mitglieder legen sich Tierbestände und ordentliche Ställe zu oder investieren in Landwirtschaft. Besonders erfreulich dabei ist die starke Partizipation von Frauen und zwar nicht nur als Mitglieder, sondern auch in den Gremien und bei der Entscheidungsfindung.

Auch in den Haushalten und zwischen den Familien haben sich die Lebensumstände und der Umgang miteinander verbessert. Viele Familien können sich zwei statt nur eine Mahlzeit am Tag leisten, das komplette Schulmaterial für die Kinder kaufen – und Paare streiten sich weniger über Geldsorgen. Außerdem berichten einige, dass die Kriminalität zurückgegangen sei – wenn es allen etwas besser ginge, würde auch weniger geklaut. Insgesamt sei der soziale Zusammenhalt deutlich besser geworden, berichten die Kolleg*innen der Fondation Stamm von ihren Besuchen in Ngozi und Muyinga. Eine große Herausforderung bleibt weiterhin der spürbare Klimawandel mit seinen Auswirkungen auf Dürre und Starkregen. Und auch die Sorge vor der Corona-Pandemie ist permanentes Gesprächsthema.

Das Projekt wird vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

05/2019 Stärkung landwirtschaftlicher Produzent*innen

Seit Mitte 2017 unterstützt Burundikids e.V. mit dem lokalen Partner, Fondation Stamm, intensiv Kleinbauern im Norden und Nordosten Burundis. Die Gründung und Ausbildung landwirtschaftlicher Produzentengemeinschaften basiert auf der bisherigen Zusammenarbeit seit 2006 mit Kleinbauern der Region. Die größeren Kooperativen mit mehr Mitgliedern werden gebildet aus kleineren Zusammenschlüssen von Kleinbauernfamilien, die zuvor bereits eine Spargemeinschaft zur Selbsthilfe gegründet hatten. In diesen Spargruppen leistet jedes Mitglied einen kleinen Beitrag in die Gemeinschaftskasse, aus der wiederum die Mitglieder Kleinstkredite erhalten können. Die Gründung von Kooperativen soll den Kleinbauern einen größeren wirtschaftlichen Handlungsspielraum ermöglichen, durch den sich wiederum die Lebensbedingungen der Familien verbessern. Beispielsweise werden durch den Zugang zu qualitativ gutem Saatgut die Ernten gesteigert. Durch das höhere Haushaltseinkommen verbessert sich die Ernährungssituation und Kinder können zur Schule geschickt werden.

Die Leitungs- und Kontrollgremien werden von den Kooperativenmitgliedern selbst gewählt. MitarbeiterInnen der Fondation Stamm begleiten lediglich beratend, stehen für Rückfragen zur Verfügung und vermitteln bei den lokalen Behörden. Mehr als die Hälfte der Mitglieder der Genossenschaften sind Frauen. Dass sich diese starke Teilhabe auch in den Leitungsgremien der Produktionsgemeinschaften widerspiegelt, ist eines der Ziele des Projekts. Bereits jetzt sind alle Posten in den Kooperativen, die für Finanzen verantwortlich sind, mit Frauen besetzt.

Eine Kooperative hat bereits eine Mühle anschaffen können, mit der sie Geld für die Gemeinschaftskasse verdient. Zuständiger Mitarbeiter ist Tito, der täglich die Ernten der Kunden mahlt. Vorher mussten die Kleinbauern immer lange Strecken zurücklegen. Nicht nur die Genossenschaft profitiert vom neuen Geschäftsfeld. Auch Tito kommt persönlich voran. Dank der neuen Aktivität konnte er sich bereits ein eigenes kleines Stück Land zulegen und ein Häuschen bauen. Ein anderes Mitglied derselben Produktionsgemeinschaft, Salustia, klingt ebenfalls begeistert: „Kürzlich wurde eines meiner Kinder sehr krank. Dank der Spargemeinschaft konnte ich einen kleinen Kredit nehmen und mein Kind schnell behandeln lassen. Außerdem kann ich alle meine Kinder problemlos in die Schule schicken!“ Sultia konnte sich dank ihrer Genossenschaft Ziegen zulegen und auf einem Grundstück mit Reisanbau beginnen.

Das Projekt wird in Kooperation mit Engagement Global und dem deutschen Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt.