Burundikids e.V.

Archiv des Jahres 2018

Acht sind am Start

Das lange Warten hatte ein Ende: AusbilderInnen Evelyne Ndayishimiye und Justin Ndikumana hatten bereits mit Hochspannung ihren Kollegen aus Deutschland erwartet, um mit dem ersten Probelauf der Fortbildung in Industriemechanik starten zu können. Die Werkstatt war eingerichtet, die Maschinen gepflegt, das Werkzeug sortiert und parat für den Einsatz. Thomas Kohl, ehrenamtlicher Helfer und Mitglied der bei Boehringer Ingelheim angesiedelten Burundi-Gruppe ließ es sich nicht nehmen, sofort nach Ankunft in Bujumbura loszulegen.

Noch bis Ende des Jahres soll Thomas Evelyne und Justin bei der Etablierung der neuen Fortbildung in Industriemechanik begleiten. „Mit der Einbindung von Evelyne und Justin in meinen Unterweisungsteil [der Auszubildenden] wuchs die Sicherheit bei beiden, den Handlungsablauf selbst aktiv zu gestalten“, schreibt Thomas in seinem ersten Bericht zum Zwischenstand nach einer Woche. An dem ersten und kostenlosen Probelauf nehmen acht junge Frauen und Männer mit Vorqualifikation in Elektromechanik teil. Ab Januar soll dann die reguläre einjährige Ausbildung starten. Zu den acht Azubis werden dann noch weitere hinzustoßen.

Trommel-Training

Die Jungen des sozialen Zentrums „Birashoboka“ für (ehemalige) Straßenkinder finden sich regelmäßig im Schulhof der Ecole Polyvalente Carolus Magnus (EPCM) ein, um zu trainieren. Die Schule ist nur einen Steinwurf vom Heim entfernt und ihr Hof eignet sich bestens für den Schall der großen Trommeln „Ingoma“. In der Trommlergruppe spielen ältere und jüngere Jugendliche gemeinsam. Trommellehrer Ciza gibt sein kulturelles Wissen gerne an die Jungs weiter. Die Trommeln Burundis zählen übrigens zu den UNESCO Weltkulturerben.

Erfolgreich an der Schule ETEE

Erfolg soll man auch genießen dürfen. Die drei Jugendlichen auf dem Foto freuen sich über ihren schulischen Erfolg. Die Schule Ecole Technique de l’Education Environnementale (ETEE) befindet sich in der Provinz Ngozi, im Norden Burundis. Unterrichtet wird dort in Lebensmittelverarbeitung, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie wahrscheinlich bald Veterinärwesen. Zugang hat jeder, der mit der neunten Klasse die Unterstufe erfolgreich bestanden hat und sich für einen der 40 Plätze pro Klasse einschreibt.

Insgesamt 212 SchülerInnen haben das Schuljahr 2017-18 an der ETEE absolviert, die meisten davon erfolgreich. So auch vier Jugendliche, die von burundikids e.V. und dem lokalen Partner, Fondation Stamm, unterstützt werden. Sie leben zusammen mit anderen im Internat der ETEE, wo sie ganzjährig unterkommen und Mahlzeiten erhalten. Dankbar konzentrieren sie sich auf den Lernstoff – und haben allesamt sehr gute Ergebnisse. Drei von ihnen lebten zuvor in einem Heim für Straßenkinder, bevor sie sich an der ETEE einschreiben konnten.

Knapp die Hälfte (103) der SchülerInnen sind übrigens weiblich. Insbesondere auf dem Land ist das in Burundi keine Selbstverständlichkeit. Aber – oder gerade deswegen – ein großes Anliegen unserer Bildungsarbeit.

ETO: die Technikerschule in Gitega

Eine der Schulen, die burundikids e.V. zusammen mit dem lokalen Partner, Fondation Stamm, und der Wolfgang R. Fikentscher – Kinderhilfestiftung, gebaut hat und bis heute betreibt, ist die Ecole Technique Omnis (ETO). Sie liegt in der Stadt Gitega, in der Mitte Burundis. Gelehrt wird hier drei Jahre lang ab Klasse 9 - also direkt im Anschluss an die Unterstufe - in vier Ausbildungsgängen: Veterinärwesen, Informatik/Maintenance, Telekommunikation und Elektrotechnik. Insgesamt 329 SchülerInnen haben das Schuljahr 2017-18 an der ETO beenden können. Sie alle streben den Abschluss mit einem „A2 Diplom“ an, der mit dem deutschen Fachabitur vergleichbar, aber noch mehr praktisch ausgerichtet ist. Regelmäßige Praktika sind ebenfalls Bestandteil des Lehrplans.

Von den SchülerInnen sind 105 Mädchen. Noch immer sind Mädchen beim Schulbesuch in Burundi benachteiligt. Eine Tatsache, der wir mit der besonderen Förderung von Mädchen entgegen treten. Auch unter den SchülerInnen sind elf Jugendliche, die Dank Ausbildungspatenschaften und sozialer Unterstützung die Schule besuchen können. Alle haben das Schuljahr bestanden. Einige von ihnen leben in der sozialen Einrichtung unweit der Schule, die ebenfalls von burundikids e.V. gefördert wird. Einige andere leben zwar in ihren Familien, könnten aber ohne Unterstützung nicht die Schule fortsetzen.

Ein besonders erfolgreiches Beispiel ist Ferdinand. Er war ebenfalls in der sozialen Einrichtung in Gitega großgeworden und zeigte immer ein beispielhaftes Verhalten. Die anderen Jugendlichen sahen ihn immer als Vorbild an. Sie sollten Recht behalten: nach seiner schulischen Ausbildung studierte Ferdinand, unterstützt durch burundikids. Um sich sein Studium zu mit finanzieren zu können, nahm Ferdinand die Rolle des Betreuers in der sozialen Einrichtung ein und half den jüngeren Mitbewohnern, „auf die Beine“ zu kommen. Nach seinem Abschluss begann er, an der ETO zu unterrichten. Zwischenzeitlich hat Ferdinand das Zepter des Betreuers übergeben und schaut nur noch hin und wieder im Zentrum vorbei. Er wohnt selbständig, unterrichtet und hat den Wunsch, im Master noch weiter zu studieren.

Das neue Schuljahr geht wieder los. Die Einschreibungen liefen auf Hochtouren, denn die Plätze sind begrenzt. Maximal 40 SchülerInnen wurden pro Klasse aufgenommen.

Die Kids sind da!

Die neue Vorschule im kleinen Ort Gatumba hat eröffnet. Pünktlich zum neuen Schuljahr 2018/19 ging es los und die ersten Mädchen und Jungen wurden von den Eltern gebracht. Tränen blieben nicht aus – doch die Erzieherinnen haben genug Erfahrung, auch die hartnäckigsten KandidatInnen zu überzeugen, dass Mama und Papa nicht den ganzen Tag dabei sein müssen.

Die neue Vorschule gehört zur Schule Ecole Polyvalente Carolus Magnus (EPCM) und wird in deren Direktion und Verwaltung integriert, um Kosten einzusparen. Dadurch bleiben mehr Mittel für das Wesentliche: Ausstattung, Lernmaterial und Spielzeug für die Kids. Künftig wird hier in drei Klassen gelernt und gespielt, je nach Alter.

Generell sind Vorschulen in Burundi immer beliebter. Kinder, die eine Vorschule besucht haben, sind wesentlich besser für die darauffolgenden Grundschulklassen vorbereitet und können dank Ihres Vorwissens bessere Noten erreichen. Auch werden dadurch die Eltern entlastet, die zumindest vormittags ihren Spross in guten Händen wissen. Bislang gibt es außerhalb der Hauptstadt Bujumbura keine oder nur in Ausnahmen solche Vorschulen. Die neue Einrichtung in Gatumba, unweit der kongolesischen Grenze, ist deshalb ein Novum. Durch das neue Angebot soll der Zugang zu Bildung schon im jüngsten Kindesalter sichergestellt werden. Und zwar direkt vor der Haustür, ohne mehrere Kilometer Schulweg zu Fuß zurücklegen zu müssen.

Ein Container in Konstanz

Das Engagement für eine bessere Gesundheitsversorgung in Burundi hat Verstärkung bekommen: nämlich aus Konstanz. Das Theater Konstanz und der angegliederte Verein „Theater in Afrika e.V.“ hatten mit burundischen Akteuren kooperiert – nämlich in der Domäne des Theaters und der Theaterpädagogik. Während der Workshops vor Ort wurden die Konstanzer aufmerksam auf zahlreiche andere Herausforderungen, nämlich unter anderem die fehlende Gesundheitsversorgung für viele Menschen. Aufgrund der Kontakte zu Apothekern in Konstanz einerseits und zu den burundikids und deren bisheriger Expertise im Gesundheitswesen in Burundi (Krankenhaus Centre Médical Hippocrate, CMH, medizinische Ausbildungen an der Ecole Polyvalente Carolus Magnus, EPCM) andererseits, wurde die Idee für das aktuelle Engagement geboren. Eine kleine Apotheke soll aufgebaut werden, die erstens Medikamente für mehr Menschen in Burundi zugänglich macht und zweitens als Lehrstelle für künftige PTA (pharmazeutisch-technische AssistentInnen) zur Verfügung stehen soll, die an der EPCM eingeschrieben sind.

Das Logo der Apotheke in Burundi

Aktuell wurde ein Container in Konstanz aufgestellt, der in den kommenden Wochen beladen werden soll. Eine Apothekerin aus Konstanz, die in Rente gehen wird, spendet dafür ihr gesamtes Inventar. MitarbeiterInnen des Theater Konstanz setzen die Aktion in ehrenamtlicher Mission um. Organisatorisch mit betreut wird die Aktion durch Dr. Peter Häufel, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei den burundikids und Mitglied des Steuerungsteams bei Boehringer Ingelheim. Erste Kontakte zum Verein Apotheker ohne Grenzen Deutschland wurden ebenfalls geknüpft und mögliche Kooperationen sollen weiter erörtert werden. In einer ersten Maßnahme werden Stipendien für PTA-SchülerInnen an der EPCM vergeben.

Überschwemmungen in Teilen Bujumburas

Am letzten Aprilwochenende kam es zu heftigen Regenfällen in der Hauptstadt Burundis, die zu Überschwemmungen führte. In den Wochen zuvor waren bereits andere Landesteile überschwemmt worden, diesmal traf es insbesondere das Armenviertel Buterere im Norden Bujumburas. Laut einer Mitteilung des burundischen Roten Kreuzes sind mehr als 2.500 Menschen obdachlos und werden mit Lebensmitteln notdürftig versorgt.

Die Überschwemmungen in Bujumburas

Die Kindertagesstätte der burundikids liegt ebenfalls in Buterere, ist aber laut der KollegInnen vor Ort nicht von der Überschwemmung betroffen. „Der Unterricht geht ohne Störungen weiter“, heißt es in einer Mitteilung über Whatsapp. Auch die Kinder, die die KiTa besuchen, seien alle anwesend.

Fotos vom Ausmaß der Zerstörung: Croix Rouge Burundi

Chirurgen vor Ora

Seit einigen Jahren pflegen wir den Kontakt zu unseren PartnerInnen von Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V. (www.spaltkinder.org). Ziel ist die Operation und Versorgung von PatientInnen mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG). Die Kooperation hat schon mehrmals Früchte getragen: schon zahlreiche PatientInnen aus Burundi konnten von den Chirurgen Dr. Oliver Blume und Dr. Gunther Au-Balbach operiert werden.

Aktuell sind die beiden deutschen Ärzte wieder in Burundi und operieren junge und alte PatientInnen mit LKG am „Centre Médical Hippocrate“ (CMH). Mit dabei sind unsere burundischen MitarbeiterInnen des CMH. Auf dem Foto: CMH-Chefärztin Dr. Béatrice Kamikazi mit einem der jüngsten Patienten des Tages.

Mehr Eindrücke in unserer Diashow...

Ein Besuch bei den Kids in Kayanza

Im Kinderheim in Kayanza leben derzeit 14 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter, die Hälfte davon sind Mädchen. Das Besondere in diesem Heim: ungefähr die Hälfte seiner BewohnerInnen leiden unter Albinismus und sind deshalb auf besonderen Schutz angewiesen – und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist ihre Haut wesentlich empfindlicher gegen Sonnenstrahlen. Die Kids müssen deshalb besonders darauf achten, ihre Haut zu bedecken, ihre Augen zu schützen und gute Hautcremes zu verwenden.

Zum anderen leben sie tatsächlich lebensgefährlich. Aufgrund von Aberglauben werden Menschen mit Albinismus immer wieder in der Region regelrecht gejagt. Ihre Körperteile würden für obskure Rituale, die ihren Ursprung nicht in Burundi haben, verwendet, die bessere Ernten, ein längeres Leben oder Glück versprächen. Grund, die Kids per Polizei beschützen zu lassen. Das trifft übrigens auch fürs Personal zu, das bereits in der Vergangenheit Drohungen erhalten hatte, sich davon jedoch nicht abhalten lässt.

Im Heim sind die Kids sicher und werden mit allem Notwendigen versorgt. Teilweise kommen die Eltern sie dort regelmäßig besuchen. Meistens sind es jedoch nur die Mütter, die von den Vätern verlassen wurden aufgrund der Geburt des „weißen“ Kindes. Alle Mädchen und Jungen gehen zur Schule und haben fast ausnahmslos exzellente Noten. Ein etwas älterer Junge wird mit Schulgeld unterstützt. Zwar hat auch er weiße Haut. Aber er ist schon etwas älter und deshalb auch sicherer – weil er sich bereits verteidigen kann.

Trotzdem ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Sowohl bei Eltern – vor allem Vätern – mit Kindern mit Albinismus. Als auch bei FreundInnen, NachbarInnen und in der Dorfgemeinschaft. Nur dann ist das Umfeld für die Kinder (wieder) sicher.

Blick in das „Centre Nyubahiriza“

Sie sind allesamt gut ins neue Jahr gestartet, die alleinerziehenden jungen Frauen und Mädchen im Zentrum „Nyubahiriza“ (Kirundi: „Respektiert uns!“). Auch die KollegInnen, die mit und für die jungen Mütter, die allesamt schwere Schicksalsschläge hinter sich haben, arbeiten, sind wohlauf und gehen ihren Aufgaben nach.

Während die kleinsten Kids im Freien herumtoben, kommen einige ältere Kinder gerade aus dem Kindergarten zurück, begleitet von einer der jungen Mütter. Sie besuchen den Kindergarten „Duhinduke“, der etwa 20 Minuten zu Fuß entfernt im benachbarten Viertel Buterere liegt. →Weiterlesen

2008

Die Wolfgang R. Fikentscher – Kinderhilfestiftung plant den Bau eines Ausbildungszentrums in Gitega. Aber das war nicht alles...

2016

Neuer Gebäuderiegel für die EPCM, Albinismus in Burundi, WDR Kinderrechtepreis 2016, Unwetter, Preisverleihung, zu Besuch in Burundi...

Archivbilder 2016 burundikids e.V.

2015

Fester Mitarbeiter für burundikids, Besuch aus Baden Württemberg, Unwetter in Burundi, Trauer um Sébastien Hicuburundi, erste Zusammenarbeit mit CLEFT, politische Unruhen, Container auf dem Weg, Kölner Kinderärztin in Burundi, neuer Schulbau...

Archivbilder 2015 burundikids e.V.

2014

Flutkatastrophe in Burundi, Strom vom Dach, Besuch aus Baden Württemberg und der Schweiz, Sascha Korf für burundikids, EPCM ist eine der besten Schulen, Theaterworkshop in Kajaga...

Archivbilder 2014 burundikids e.V.

2013

Bücher über burundikids, IT-Fortbildung, Hotelfach aus Baden in Burundi, Umzug des Albino-Heims, AZG wird zur Technikerschule, Gründungsmitglieder Hanna und Harald beim Spatenstich für die Pädiatrie in Burundi...

Archivbilder 2013 burundikids e.V.

2012

Neues Projekt: Schutz für Kinder mit Albinismus, Schreiner Emmanuel zur Weiterbildung in Deutschland, Vereinspatin Bettina Böttinger macht eine Reportage über Burundi, die Gynäkologie ist eröffnet...

Archivbilder 2012 burundikids e.V.

2011

Brillen für burundikids, Verein Helfen Direkt e.V. aus Stuttgart unterstützt das Centre Médical Hippocrate, Jakobus-Theater Karlsruhe für burundikids, Moderator Matthias Opdenhövel spendet für burundikids, Journalistenpreis für unseren Mitarbeiter Philipp Ziser...

Archivbilder 2011 burundikids e.V.

2010

burundikids schweiz als neuer Partner von burundikids, Trauer um Rose, Moderator Matthias Opdenhövel unterstützt burundikids, Centre Medical Hippocrate eingeweiht, Eine-Welt-Preis für die Arbeitsgruppe Karlsruhe, burundikids e.V. bekommt Medienpreis...

Archivbilder 2010 burundikids e.V.

2009

Delegation aus Baden-Württemberg besucht die Projekte, ein Film über die burundikids, ein Auto für die burundikids, Besuch der Herzogin von Luxemburg, Brillen für Burundi...

Archivbilder 2009 burundikids e.V.

2007

Zweiter Bauabschnitt des Schulzentrums. Auszeichnungen für burundikids-Unterstützerinnen Bettina Böttinger und Ulrike Folkerts. Ein Jahr Freiwilligendienst geht zu Ende und drei neue Jugendliche gehen nach Bujumbura.

2003 bis 2006

Von der Gründung im Jahr 2003 bis zu den ersten Freiwilligen, die 2006 nach Burundi flogen.