burundikids e.V.
Am Dienstag habe ich eine richtig coole Frisur bekommen. Wir waren in einem Afroshop in Köln. Es ist total ungewohnt, dass ich meine Haare nicht jede Woche rasieren muss. In Burundi müssen das alle Schüler machen, wegen der Hygiene.

Désiré bekommt eine Frisur im Afroshop in Köln

Brief von Désiré an alle Freunde und Unterstützer

Désiré schreibt im Juli 2010 über seine Erfahrungen in Deutschland:

„Fünf Monate sind jetzt vergangen, seit ich mein zu Hause verlassen habe. In dieser Zeit habe ich neun Operationen gehabt. Vergangene Woche habe ich die letzte gut überstanden.
Jetzt erhole ich mich abwechselnd bei Jacque und Martina. Endlich kann ich auch die dicken Pullover im Schrank lassen. Meine Sandalen trage ich schon die ganze Zeit. Obwohl es eigentlich zu kalt war, hatte ich einfach keine Lust mich jeden Tag in Socken und Turnschuhe zu zwängen.

Ich verbringe die Tage mit langen, langsamen Spaziergängen. Ich gucke mir alles genau an. Die Menschen, Straßen und Geschäfte. Bald werde ich die Krücken nicht mehr brauchen. Ich kann das Bein schon ein bisschen besser belasten.

Ich mag es Fernsehen zu gucken und Computerspiele zu spielen. Da ich Musik so gerne mag, gucke ich oft bei YouTube. Am liebsten höre ich burundische Songs, von Lolilo zum Beispiel. Gut dass Jacque alle Geräte zu Hause hat.

Gemeinsam mit Martina machen wir Ausflüge zu den Partnerschulen von burundikids. Wir waren in Haubinda und in Kall. Ich habe den Schülern gezeigt, wie man auf Kirundi schreibt und spricht. Jeder Ausflug ist ein Abenteuer. Trotzdem bin ich manchmal froh, wenn ich wieder zurück in meinem Bett liege und mal ganz für mich alleine sein kann. Es ist ganz schön anstrengend so ein Leben in Europa. Ich habe das Gefühl, dass die Leute alles umsonst haben können und dass das Leben einfach ist. Es fällt mir sehr schwer zu verstehen, dass sie hart für sich und ihre Familien arbeiten, um sich so schöne Sachen wie Laptops und Autos leisten zu können. Ich habe lange überlegt, ob ich in Deutschland bleiben möchte oder nicht. Im Moment will ich lieber zurück nach Burundi.

Martina und Jacque haben mir erklärt, dass ich als Jugendlicher noch zur Schule gehen muss und dass ich arbeiten muss wenn ich erwachsen bin. Arbeiten muss ich in Burundi auch. Da kann ich doch besser in der Nähe meiner Freunde sein. Besonders mein bester Freund Bosco fehlt mir. Zuhause arbeite ich sogar schon ein bisschen. Ich verleihe mein kleines Radio mit Lautsprechern an andere und verdiene mir so mein Taschengeld.

Die Ärzte hier sagen, dass mein Kniegelenk durch die jahrelange Fehlstellung sehr gelitten hat. Es wird wohl nie so funktionieren wie mein gesundes. Vielleicht kann ich trotzdem wieder mit meinen Freunden Fußball spielen wie früher. Hier in Deutschland war ja einiges los während der WM. Ich habe jedes Spiel der Deutschen gesehen und immer mein Trikot getragen.

Außerdem esse ich fast jeden Tag Eis. Leckeres Milcheis, das ich in Burundi nirgendwo bekommen kann. Meine Lieblingssorte ist Erdbeere. Zuerst dachte ich immer, die Leute bestellen einen Radiosender in der Eisdiele. „Erdbeere“ hört sich für mich so an wie „RTB“, ein Radiosender aus Burundi.

Am Dienstag habe ich eine richtig coole Frisur bekommen. Wir waren in einem Afroshop in Köln. Es ist total ungewohnt, dass ich meine Haare nicht jede Woche rasieren muss. In Burundi müssen das alle Schüler machen, wegen der Hygiene.

Mein Rückflug geht am 24. August 2010 gemeinsam mit Jacque. Ich freue mich schon darauf, meinen Freunden ohne Krücken entgegengehen zu können. Ich werde zwar eine Schiene tragen müssen. Mit der bin ich aber sehr beweglich.

Ich schicke allen ganz viele Grüße aus Köln!! Desiré“

(Übersetzung von Kirundi ins Deutsche: Jacques, ein burundischer Freund der burundikids)