burundikids e.V.

Pascal als Trommler im Heim für Straßenkinder

Ein Gespräch mit Pascal Habonimana

„Pascal war einer der ersten Jugendlichen, die ich in Burundi kennengelernt habe“, erinnert sich Burundikids-Mitarbeiter Philipp Ziser an seine Ankunft in Burundi, als er 2006 mit seinem Engagement begann. Damals war Pascal noch im Heim für Straßenkinder und ehemalige Kindersoldaten. 13 Jahre später sitzt er ihm wieder gegenüber – als Kollege. Pascal Habonimana brütet gerade über dem Konzept für eine Radiosendung, die über häusliche Gewalt aufklären soll. Er arbeitet mittlerweile als Sozialarbeiter für die Fondation Stamm, den lokalen Partner von Burundikids e.V. in Burundi. Der Weg dahin war für Pascal nicht immer einfach, wie für viele in seinem Alter, denen der Krieg die Kindheit raubte. Bei einem erneuten Besuch in Burundi konnte sich Philipp in einer ruhigen Minute mit Pascal unterhalten.

Pascal mit der Trommlergruppe - ganz hinten rechts in Trommler-Gewand

Beschreibe deinen bisherigen Lebensweg, Pascal.

„Ich bin 1989 geboren und als ich vier war, starben meine beiden Eltern. Damals ging gerade der Bürgerkrieg los. Meine Eltern waren einfache Bauern, aber Rebellen haben sie und meinen ältesten Bruder wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit umgebracht. Soldaten haben mich dann mit in ein Lager für Binnenflüchtlinge genommen, wo ich aufgewachsen bin und sie auf mich aufgepasst haben. Als ich alt genug war, haben sie mich auch militärisch ausgebildet. Leicht war das nicht für mich, ich hatte es mir ja nicht ausgesucht, aber eine andere Wahl hatte ich auch nicht. Zu der Zeit fühlte ich mich auch irgendwie sicherer, wenn ich eine Waffe in der Hand hatte. Vormittags ging ich zur Schule, die UNICEF damals mit Zeltplanen gebaut hatte, und nachmittags gab es Militärtraining. Irgendwann habe ich die Schule abgebrochen und mich vollständig aufs Militär konzentriert. Anscheinend sah ich aber unglücklich aus, denn ein Offizier wollte mich dann aus dem Lager bringen. Er suchte einen Platz in einem Waisenhaus für mich, dort war aber alles belegt. Schließlich kam ich ins Kinderheim „Centre Birashoboka“ der Fondation Stamm. Und endlich auch wieder in die Schule. 2006 war dann ein unvergessliches Jahr für mich, weil ich Freunde aus Deutschland gewonnen habe. Es war schön zu sehen, dass sich Menschen aus der Ferne nach Burundi kommen, um uns hier dabei zu unterstützen, Schwierigkeiten zu überwinden und voran zu kommen.“

Was ist dir von den Freiwilligen aus Deutschland am besten im Gedächtnis geblieben?

„Oh, viel! Ich habe viel mit ihnen gelernt. Zum Beispiel Fremdsprachen. Und ich konnte viel über ihre Mentalität, Kultur und den Umgang mit ihnen lernen und besser verstehen. Das hat mir später geholfen, weitere Freunde zu finden, die ebenfalls aus dem Ausland kamen. Wir haben auch viele neue Spiele gelernt und touristische Ziele in Burundi gemeinsam entdeckt. Mit einer Freiwilligen war ich sogar auf einer Pfadfinderfreizeit in Burundi. Wir haben gemeinsam Basketball gespielt und waren im Fußballstadion. Ich habe noch viele, gute Erinnerungen an diese Zeit.“

Seid ihr noch in Kontakt?

„Auf jeden Fall! Quasi meine internationale Familie. So viele Leute haben mir geholfen, mir Ratschläge gegeben, mich auf meinem Weg begleitet und mir so vieles beigebracht. Bis hin zur Unterstützung auf der Universität. Mit einigen tausche ich mich auch einfach nur zu Alltagsfragen aus oder zu Fragen, die das Leben betreffen.“

2. v. l. - Pascal Habonimana_2006 im Heim für Straßenkinder

Heute bist du bei der Fondation Stamm angestellt und arbeitest in einem humanitären Projekt. Was sind deine Aufgaben?

„Ich bin Sozialarbeiter. Das Projekt will die Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen im ländlichen Raum verbessern. Meine Aufgabe ist es, über Missstände aufzuklären, die Leute zu sensibilisieren. Insbesondere Mädchen im pubertierenden Alter, alleinerziehende junge Mütter und Familien, die Waisenkinder bei sich aufgenommen haben. Ich mag diese Arbeit sehr. Außerdem kann ich dadurch genau in dem Bereich arbeiten, den ich auch studiert habe: Gesundheit und kommunale Entwicklung. UNICEF hatte mich auch mal vier Jahre lang als Kinderjournalist gefördert.“

Hast du einen persönlichen Wunsch?

„Ich würde gerne ein Masterstudium in ländlicher Entwicklung machen.“

Und was wünschst du dir für Burundi?

„Meine Kindheit war extrem schwierig. Die Kinder von heute sollen es besser haben. Deswegen engagiere ich mich auch für die Allgemeinheit. Beginnend mit den Kids, die nichts dafürkönnen, was um sie herum passiert.“