burundikids e.V.
Im Straßenkinderprojekt Birashoboka in der Hauptstadt Bujumbura leben mittlerweile 140 Jungen im Alter von sechs bis 18 Jahren, die zuvor nie eine Schule besuchen konnten.
Im Straßenkinderprojekt Birashoboka in der Hauptstadt Bujumbura leben mittlerweile 140 Jungen im Alter von sechs bis 18 Jahren, die zuvor nie eine Schule besuchen konnten.

Centre Birashoboka für Straßenkinder

Aktuell

„Birashoboka“ ist Kurundi (die Landessprache in Burundi) und heißt übersetzt so viel wie „Alles ist möglich“. In diesem Straßenkinderprojekt in der Hauptstadt Bujumbura leben derzeit etwa zwischen 80 und 90 Jungen im Alter von sechs bis 18 Jahren, die zuvor nie eine Schule besuchen konnten. Als wir 2005 mit unserer Unterstützung begannen, lebten dort ca. 80 Jungen. Viele von ihnen kommen direkt von der Straße, andere flüchteten aus ihrem Dasein als Kindersoldaten in diese Einrichtung. Hier können sie die ersten beiden Schuljahre nachholen und anschließend eine staatliche Schule besuchen. Alle Jungen besuchen eine staatliche Schule, einige von ihnen jedoch die „Ecole Polyvalente Carolus Magnus“ der Fondation Stamm – darunter auch die PTA-Ausbildung. Andere wiederum absolvieren eine Berufsausbildung.

Außerdem haben die Jungen die Möglichkeit, das für Burundi traditionelle Trommeln zu erlernen – was ihnen ein wenig ihres über Jahre hinweg verlorenen Stolzes und Würde zurück gibt. Darüber hinaus hilft ihnen das Trommeln – wie auch Fußball, Basketball, Turnen und traditioneller Tanz –, ihre Vergangenheit zu bewältigen und die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten.

burundikids unterstützt das Straßenkinderheim durch Übernahme der Kosten, die durch Miete, Nahrungsmittel, medizinische Versorgung, psychologische Betreuung sowie das Gehalt einer Krankenschwester entstehen. Außerdem werden regelmäßig Reintegrationsmaßnahmen durchgeführt – mit denen die Jungen in die Selbständigkeit geführt werden sollen.

Neben den Kindern und Jugendlichen im Heim werden solche unterstützt, die nicht mehr im Heim leben, jedoch Bedarf an bspw. Schulgeld oder -material haben.

Historie

Mit der Reintegration der Kinder und Jugendlichen aus den Heimen in ein soziales Umfeld außerhalb der Heime werden die jungen Männer und Frauen in die Selbstständigkeit entlassen. Sie kehren, wenn möglich, zu ihren Familien zurück oder werden von der Fondation Stamm bei der Suche nach einer Arbeit unterstützt.

Dazu wird eine finanzielle Basis benötigt, denn die Kinder und Jugendlichen sollen nicht in die Misere zurückkehren: Werden sie von ihrer Familie aufgenommen, wird dieser geholfen, ein lebenswürdiges Umfeld für das Kind zu schaffen und sie erhält Nahrungsrationen. Können die Reintegrationskandidaten nicht von ihrer Familie aufgenommen werden und wollen beispielsweise einen kleinen Handel eröffnen, hilft die Fondation Stamm, indem sie ein Startkapital und eine Begleitperson zur Verfügung stellt.

Bosco und Reverien sind zwei junge Männer Anfang 20 aus dem Straßenjungenprojekt.

Bosco und Reverien sind zwei junge Männer Anfang 20 aus dem Straßenjungenprojekt. Sie haben die Schule abgebrochen und die Zeit im Heim verging für sie, da sie ohne Beschäftigung waren, eher schleppend. Sie hatten keine Motivation. Doch nach vielen Gesprächen mit Heimleitern und Psychologen wurde ihnen langsam klar, dass sie selbst die Initiative ergreifen müssen, wenn sie etwas aus ihrem Leben machen wollen, die Dinge selbst in die Hand nehmen und sich auf die Suche nach einer Arbeit machen.

Sie beschlossen also, sich zusammen zu tun und gemeinsam ein Projekt zu starten: Mit dem Reintegrationsgeld mieteten sie nahe dem Straßenkinderheim ein kleines Zimmer in einem Lehmhäuschen. Dort wohnen sie jetzt. Außerdem kauften sie ein Fahrrad, einen kleinen Herd, eine Pfanne, Öl, Mehl, Kartoffeln, Eier und Zucker und begannen zu produzieren: eine Art Crêpes, die in Burundi Chapatti heißen, Sambussa, das sind mit Kartoffeln gefüllte Teigtaschen, und Quarkbällchen, Baignets genannt. Dies alles verkaufen sie dann auf dem Markt, in den Bars und auf Baustellen Bujumburas, der Hauptstadt. Mittlerweile läuft das Geschäft so gut, dass sie sich einen dritten Mann ins Boot holen konnten, der für den Verkauf zuständig ist. Die beiden kümmern sich nun hauptsächlich um den Einkauf und die Produktion. Bei meinem Besuch erzählten sie mir, dass sie jeden Tag umgerechnet ca. 2,90 Euro verdienen. Das reicht, um ein wenig zurückzulegen und sich das Zimmer leisten zu können.

Ein viel versprechender Start, der den beiden Jungs hoffentlich zeigt, dass sie es auf eigenen Beinen durchs Leben schaffen können.

David ist ein kräftiger junger Mann, dem man seine jahrelange Übung in der Trommlergruppe des Straßenkinderheims an seinen muskulösen Armen ansieht. Man würde in ihm eher einen Fußballer vermuten, als einen Friseur. Aber genau das ist er: Friseur. Das Geld, das ihm durch die Reintegration zur Verfügung stand, nutze er, um sich einen kleinen Friseurladen einzurichten.

David ist ein kräftiger junger Mann, dem man seine jahrelange Übung in der Trommlergruppe des Straßenkinderheims an seinen muskulösen Armen ansieht. Man würde in ihm eher einen Fußballer vermuten, als einen Friseur. Aber genau das ist er: Friseur. Das Geld, das ihm durch die Reintegration zur Verfügung stand, nutze er, um sich einen kleinen Friseurladen einzurichten. Seine Ausbildung dazu erwarb er bereits in einem Berufsbildungsprojekt, das die Fondation vor einigen Jahren durchführte. Nun war es ihm auch endlich möglich, seine Fähigkeiten zu testen. Gemeinsam mit einem Freund frisiert er nun Männer, für 15-18 Cent pro Schnitt. Was dabei auf keinen Fall fehlen darf, sind, natürlich, eine Rasiermaschine und Pflegemittel. Viel Wert wird aber auch gelegt auf Poster von Stars wie Jackie Chan oder Britney Spears und, zur Unterhaltung, ein Radio. David und sein Freund verdienen bis zu 1,80 Euro am Tag, Geld, mit dem David auch seinen Onkel unterstützen kann, bei dem er ein Zimmer gemietet hat.

Zur Geschichte des Kindersoldaten Safari.

Ausblick

Das Straßenkinderheim soll als wichtige Einrichtung weiter betrieben werden. Straßenkinder wird es in Bujumbura (und anderen Städten im Landesinnern) immer geben, solange Armut in Burundi herrscht. Im Gegenteil, es sollte überlegt werden, diese Aktivitäten weiter auszubauen. Evtl. sogar ein eigenes Grundstück zu erwerben und ein eigenes Heim zu bauen.