
Im Ausbildungszentrum Gitega (AZG), Viertel Rango, lernen derzeit knapp 100 Mädchen und Jungen in der dritten Azubi-Generation. Ausgebildet werden Elektriker, Schlosser, Sanitärinstallateure, Köche, Schneider und Schreiner in den unterschiedlichen Klassenräumen.
Vor Ort sind mehrere Kooperationen geschlossen worden, wie bspw. mit dem „SOS-Kinderdorf“, das Jugendliche zur Ausbildung schickt, aber auch Aufträge vergibt wie bspw. die Herstellung von Schuluniformen durch die Schneidereiabteilung. Mit der Organisation Terre des hommes (Tdh) besteht derzeit außerdem eine Kooperation, Minderjährige, die ohne Prozess und Justiz im Gefängnis saßen, in den Ausbildungsprogrammen aufzunehmen. Darüber hinaus bestehen weitere Kooperationen mit Kirchenorden und der deutschen Botschaft.
Mit dem Partner in Stuttgart, CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschland) und dem SES (Senior Expert Service in Bonn), wurde ein Experte für Berufsschulen im Allgemeinen und für die Ausbildung im Sanitärbereich im Besonderen nach Burundi entsandt. Er wird in drei Monaten bis Weihnachten 2010 die Prozesse und Strukturen der Schule und der Ausbildungen weiter professionalisieren.
Die Auszubildenden absolvieren eine Ausbildung von neun Monaten, die mit einem Zertifikat abgeschlossen wird. Die Fondation Stamm hilft den Absolventen im Anschluss an die Ausbildung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz.
burundikids startete im März 2008 mit dem Bau eines neuen Projekts zur weiteren Entwicklung in Burundi. Geplant ist ein Berufsausbildungszentrum für Jugendliche aus armen Verhältnissen in Gitega, der zweitgrößten Stadt Burundis in der Landesmitte. Ermöglicht wird dieses große Vorhaben durch die Wolfgang R. Fikentscher Kinderhilfestiftung mit Sitz in München, als Partner von burundikids.
Das Grundstück, auf dem gebaut werden soll, liegt am Stadtrand von Gitega und wurde von der örtlichen Administration für das Vorhaben kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Bauplanung liegt in den Händen von Architektin und burundikids-Vorstand Martina Wziontek, durchführende Bauherrin ist der Partner vor Ort, Fondation Stamm.

Die neue Berufsausbildungsstätte, für die ein Budget von insgesamt 61.000 Euro zur Verfügung steht, soll aus drei Gebäudeeinheiten bestehen, in der über 200 Jugendliche in sechs praktischen Handwerksberufen (Maurer, Schreiner, Schlosser, Elektriker, Schneider und Klempner) sowie in Computeranwendung ausgebildet werden. Dabei soll jede Klasse auf 20 Auszubildende beschränkt werden, um die Effektivität und Qualität des Lernens zu gewährleisten. Außerdem wird in zwei „Schichten“ – vormittags und nachmittags – unterrichtet, sodass die doppelte Anzahl Jugendlicher erreicht werden kann. Voraussetzung für die Ausbildung am Ausbildungszentrum Fikentscher Gitega (AZG) ist der erfolgreiche Abschluss der Grundschule (sechs Jahre).
burundikids wird darüber hinaus die Auszubildenden mit einer Mahlzeit versorgen, da die Jugendlichen weite Schulwege von ihren weit verstreuten Höfen zum AZG zurücklegen müssen. Gefördert werden sollen insbesondere Straßenkinder aus dem Heim der Fondation Stammin Gitega, sowie arme Kinder aus Gitega und seiner ländlichen Umgebung, Waisen- oder Halbwaisenkinder und jugendliche Vollwaisen, die sich um jüngere Geschwister kümmern müssen, Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingslagern, sowie aus dem benachbarten Tansania heimkehrende Flüchtlingskinder und ehemalige Kindersoldaten.
Am Montag, 24. August 2009, wurde das Ausbildungszentrum Gitega (AZG) offiziell eingeweiht. Feierlicher Höhepunkt für die Jugendlichen war die Zeugnisvergabe an die erste Generation von Auszubildenden, die in Elektrizität, Schneiderei, Schreinerei und Kochen/Service nach sechs Monaten ihren Abschluss absolvierten.
Vertreter der burundischen Regierung und örtlichen Administration, Verena Stamm und selbst der deutsche Botschafter in Burundi, Joseph Weiß, ließen es sich nicht nehmen, den 75 Mädchen und Jungen persönlich zu gratulieren. Eigens für die Einweihung aus Deutschland angereist war das Ehepaar Fikentscher, durch dessen Familienstiftung der Bau der professionellen Berufsschule erst möglich wurde. Und auch Martina Wziontek, Gründerin und Leiterin der burundikids, wohnte der Zeremonie zusammen mit Vereinspatin und Fotografin Ursula Meissner bei.

Sichtlich stolz zeigte sich Gastgeberin Verena Stamm. In ihrer Rede erklärte sie, dass die Fondation Stamm zwar fast seit ihrer Gründung in Gitega tätig sei und Jugendliche in Berufen ausbildete. Doch ihr großer Wunsch sei immer eine professionelle Berufsschule gewesen. Zu den bisherigen Berufsausbildungen sollen in Zukunft noch weitere hinzukommen, wie etwa Klempner und Schweißer. Dabei werde aber auf tieferes und professionelleres Wissen wert gelegt. Die Ausbildungen sollen mehrere Jahre dauern und mit einem ordentlichen Diplom abgeschlossen werden – das, woran es bislang fehlt in Gitega und vielerorts in Burundi.
Die Fikentscher Kinderhilfestiftung hatte den Schulbau in Gitega mit 61.000 Euro finanziert und somit erst ermöglicht. Gitega wird mehr und mehr ein wichtiger wirtschaftlicher Standort Burundis, die Stadt vergrößert sich rasend. Es mangelt an professionellen Handwerkern und Infrastruktur, weshalb die Entscheidung gefallen war, die Berufsschule in Gitega zu bauen. Die Bevölkerung begrüßt das Projekt sehr. Ebenso einige vor Ort ansässige Organisationen. So wurden schon Kooperationen gestartet mit dem „SOS-Kinderdorf Gitega“ und einigen kirchlichen Orden, die ihre Jugendlichen in die neue Berufsschule schicken.
Auch burundikids-Gründerin Martina Wziontek zeigte sich sichtlich erfreut über den fertig gestellten Bau und die ersten Jugendlichen, die ihre Zeugnisse entgegen nehmen konnten. Sie hatte die Pläne für den Bau gezeichnet und die Baumaßnahmen begleitet.

Tobenden Applaus erntete Prof. Fikentscher in seiner Ansprache. Darin sicherte er auch für die Zukunft die Kooperation seiner Stiftung mit den burundikids und Fondation Stamm für die Unterstützung der Jugendlichen in Gitega zu. Zum Zertifikat dazu gab es übrigens für jeden Jugendlichen noch ein Shirt des Lieblingsfußballvereins seit Jugendtagen von Prof. Fikentscher: „Münchens große Liebe“…
Gitega ist zweitgrößte Stadt Burundis mit 200.000 Einwohnern und täglich werden es mehr. Der Grund hierfür liegt insbesondere in den Flüchtlingen, die zahlreich aus den Lagern im benachbarten Tansania nach dem langen Krieg in ihre Heimat zurückkehren. Da Gitega im Vergleich zu den weiter östlich liegenden Provinzen wirtschaftlich bessere Perspektiven verspricht, siedeln die meisten in der näheren Umgebung der Stadt an. Die logische Folge: hohe Arbeitslosigkeit, Mangel an Schulen, Ausbildung und qualifiziertem Personal.
Dennoch wird in dieser Umgebung sehr viel gebaut. Mehrere Ministerien sind ebenfalls von der Hauptstadt Bujumbura dorthin verlegt worden.
Der Bedarf an Ausbildungen veranlasste burundikids, den Partner vor Ort, Fondation Stamm, und die Wolfgang R. Fikentscher Kinderhilfestiftung, diesem Mangel entgegenzuwirken. Ausschlaggebender Punkt für die Wahl Gitegas als Projektort ist die durch das starke Wachstum verursachte Nachfrage nach qualifizierten Arbeitern, insbesondere im Handwerk. Es bestehen demnach große Chancen für die Jugendlichen, nach der Ausbildung im AZG eine Anstellung oder Beschäftigung zu finden.
Es ist vorgesehen, langfristig einen dreijährigen Diplomstudiengang (Diplom A2 = Fachabitur) einzuführen, voraussichtlich im Bereich Hotellerie/Service/Kochen – auf ausdrücklichen Wunsch der Bevölkerung. Wir hoffen außerdem auf eine Folgefinanzierung durch die Kinderhilfestiftung Fikentscher.
Das Grundstück der Schule bietet noch einige freie Fläche. Somit kann das Ausbildungszentrum in Gitega in Zukunft noch erweitert und weitere Ausbildungsgänge mit aufgenommen werden. Damit noch mehr Jugendliche durch Ausbildung die Chance auf eine lebenswerte Zukunft haben.