
Ein Jahr im fremden Burundi. Freiwilligendienst mit den burundikids in Heimen für Waisen und Straßenkinder. Leben in einer anderen Kultur – nicht immer einfach, doch immer wieder schön. Vor allem aber: verändernd. Anna von den burundikids schreibt im Namen ihrer Mitfreiwilligen:
„Wie war’s denn in Burundi?“ – Wahrscheinlich die Frage, der Claire, Cornelius, Johanna, Catherina und ich sich seit ihrer Rückkehr nach Deutschland am häufigsten stellen müssen. Ja, wie war’s denn eigentlich, unsere Zeit als Freiwillige in Burundi? „Schön war’s“, denkt man an die Lebensfreude und die Unbeschwertheit der Burunder zurück. „Sehr anstrengend“, wenn nichts lief, wie geplant. „Frustrierend“, erfährt man hautnah, wie der Glaube der Menschen in Gott ausgenutzt werden kann. Und oft auch „bewegend“, lässt man die Gespräche mit den Kindern Revue passieren.
Waren wir zu Anfang noch etwas unbedarft im Umgang mit der fremden Kultur, entwickelten wir im Laufe der Zeit ein immer besseres Verständnis für die Sitten und Gebräuche und versuchten uns soweit wie möglich zu integrieren. In unserer ersten Zeit standen das Kennenlernen des Landes, der Arbeitsbereiche und der Menschen im Vordergrund. Bald sollten wir auch feststellen, dass es viel Anstrengung und Toleranz braucht, um als Team zusammen zu wohnen und zu arbeiten.
Wir alle brauchten unsere Zeit, um wirklich in Burundi anzukommen, unsere Aufgaben zu finden und uns auf das burundische Leben einzulassen. Das gelang in kleinen Schritten und so fand jeder seinen Weg: entweder zum Mutter-Kind-Heim, um dort die jungen Mütter zu beraten und sich um die Babys zu kümmern, zur projekteigenen Schule, um den dortigen Lehrern Deutschunterricht zu geben oder in der Grundschule Musik zu unterrichten oder in die verschiedenen Kindergärten der Fondation Stamm, wo quirlige Vorschulkinder warteten. Zu Frauen, die durch ein Mikrokreditprojekt die Möglichkeit bekommen, einer Arbeit nachzugehen, und in die Heime, die für uns alle sowohl Zuhause waren als auch Ort des Computer- und Englischunterrichts und Sport- und Akrobatikplatz.
Der Computerraum wurde kurzum in eine Solarlampenwerkstatt verwandelt und der Salon abwechselnd in ein Mal-, Bastel- und Knetatelier oder auch ein Tanzstudio. Alles für die Kids.
Einige von uns zog es für eine Weile ins Landesinnere, wo sie das Leben auf dem Land, abseits vom Trubel der Hauptstadt und fließendem Wasser, kennen lernten. Und auf vielen Reisen in die Nachbarländer Burundis konnten wir uns nicht nur eine Pause gönnen, sondern wurden auch in den Bann des afrikanischen Lebens außerhalb Burundis gezogen. Waren wir dann alle fünf wieder zurück in Burundi, saßen wir abends noch lange zusammen, um über Probleme zu diskutieren, neue Pläne zu schmieden oder einfach den Tag ausklingen zu lassen.
Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Gesicht dieser Welt verändern." Wir waren in diesem Jahr einige dieser kleinen Leute, haben unser Bestes gegeben, unseren kleinen Teil zur Veränderung beigetragen. Es war aber nicht nur an uns zu verändern: auch wir wurden verändert. Durch die vielen Begegnungen haben wir Dinge aus einem ganz neuen Blickwinkel wahrgenommen und sind der fremden Kultur und den Menschen langsam auf die Spur gekommen. Wir sind ein Teil von ihnen geworden, so wie dieses Jahr ein Teil von uns geworden ist. Und das ist, was bleibt.“
Für die Freiwilligen Claire, Johanna, Anna, Catherina und Cornelius: Anna Schulz