Vorababdruck aus Africa live Nr. 2/2007
Erste Todesfälle in der ostafrikanischen Republik Burundi gemeldet
Von
Philipp Ziser
Bujumbura. Aufgrund ungewöhnlich starker Regenfälle und anhaltender Unwetter in den vergangenen zwei Monaten droht in Burundi eine erneute Hungersnot, wie ein Sprecher der United Nations Food and Agriculture Organization (FAO) berichtet. Erste bekannte Hungertode werden von den örtlichen Radiostationen bereits aus der nördlichen Provinz Ngozi, nahe der ruandischen Grenze, gemeldet.
Täglich wird in den burundischen Medien von neuen Ernteausfällen und Überschwemmungen, vor allem in den Tälern, berichtet. Wie ein Mitarbeiter des UN-Büros für Koordination für Humanitäre Hilfe (OCHA) in der Hauptstadt bestätigt, werden bei den Hauptnahrungsmitteln Bohnen und Kartoffeln bis zu 50 Prozent Einbußen erwartet. Betroffen seien vor allem Kinder, die ohnehin schon an langjähriger Unterernährung und Mangelerscheinungen leiden. Auf dem aktuellen „Welthunger-Index“ nimmt Burundi bereits den ersten Platz ein.
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In der ersten Januarwoche traten in der Hautstadt Bujumbura aufgrund starken Regens die Flüsse über die Ufer. Rund 300 Häuser wurden allein in der Großstadt überflutet, außerdem die örtliche Medikamentenfabrik. Um die Jahreswende seien auch in der östlich gelegenen Provinz Ruyigi 800 Häuser durch Überschwemmungen zerstört worden, viele Hektar Ackerland seien vernichtet. Ebenfalls in den Anbaugebieten im Norden, in den Provinzen Bubanza und Cibitoke seien die Reisfelder überflutet. „Ganze entwurzelte Bananenstauten werden von den Feldern gespült“, wie Augenzeugen berichten.
Viele Teile des Landes sind brach gerodet. Die überwiegend an steilen Hängen liegenden bewirtschafteten Böden werden von den starken Regenfällen überschwemmt. Erdrutsche vernichten die ohnehin wenig ertragreichen Ernten. Hinzu kommt der Befall der Maniokpflanze durch die so genannte Mosaik-Krankheit, die sich von Uganda, Ruanda und Tansania kommend rasend schnell Richtung Süden ausbreitet. Befallene Maniokpflanzen verfaulen, bevor die dringend benötigte Wurzel heranwachsen kann.
Ein weiterer Fall, der die drohende Hungersnot mit verursacht, ist das Flüchtlingsproblem im ohnehin schon überbevölkerten Norden Burundis – dem afrikanischen Land mit der zweithöchsten Bevölkerungsdichte bei 271 Einwohnern pro Quadratkilometer und einem Bevölkerungswachstum von 3,4 Prozent. Hunderttausende, die während des mehr als zehn Jahre andauernden Bürgerkriegs zwischen den Ethnien der Hutu und Tutsi in die umliegenden Nachbarländer geflüchtet waren, werden nun von der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) in ihr Heimatland zurück geführt. Ihre Häuser und Höfe wurden allerdings während des Kriegs zerstört, sodass ihnen die Kultivierung von Ackerland zur Eigenversorgung verwehrt bleibt. Noch immer befinden sich etwa 200.000 burundische Flüchtlinge in Lagern im westlichen Tansania. Etwa die gleiche Anzahl lebt als Binnenflüchtlinge in burundischen Lagern.
Trotz der ersten 71 Hungertoden im Norden des Landes – die zwar von den örtlichen Verwaltern benannt, unabhängig jedoch noch nicht bestätigt wurden –, sowie befürchteten Ernteausfällen in den Provinzen Ngozi, Kirundo, Kayanza, Muyinga, Karuzi und Cankuzo, sei die Lage nicht so ernst wie im vergangenen Jahr, meint der örtliche FAO-Sprecher Methode Niyongendako. Dennoch: Ein Team aus Mitarbeitern von FAO, World Food Program (WFP) und OCHA bestätigte nach einem Besuch in den Provinzen im Norden Burundis, dass „beinahe 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung und 65 Prozent der Kinder nur eine Mahlzeit pro Tag“ zu sich nehmen können, wie das Nachrichtenorgan der UN, Irin-News, berichtet.
Die burundische Regierung hat jüngst ein Programm zur Hilfe der Flutopfer erlassen. In den extra eingerichteten Solidaritätsfonds soll jeder burundische Haushalt, der nicht von den Überschwemmungen betroffen ist, sowie alle Minister, Unternehmen und Privatpersonen einen nach dem jeweiligen Einkommen gestaffelten Beitrag zusteuern. Die Zahlungen sollen ab Ende Januar vier Monate lang erfolgen. Internationale Hilfsprogramme der Vereinten Nationen bereiten ebenfalls Hilfsgüter für die kommenden Monate vor.